Bärenmarkt: Das steckt hinter dem Begriff

Wenn du beim Wort Bärenmarkt zuerst an Kondensmilch denkst, wird es Zeit für diesen Artikel! Hier erfährst du, was ein Bärenmarkt ist, welche Ursachen und Folgen er hat und wie lange er dauert.

Lesezeit: 8 Min.

Du überlegst, dein Geld in Aktien, Fonds oder Kryptowährungen zu investieren? Dann bist du bei deiner Recherche über Devisen und Co. vielleicht auch über den Begriff Bärenmarkt gestolpert. Tatsächlich sind Bärenmärkte an der Börse normal – in den letzten 80 Jahren gab es mehr als ein Dutzend davon. Was ein Bärenmarkt bedeutet, woher die Bezeichnung stammt und warum er entsteht, erfährst du in diesem Artikel. Außerdem erklären wir, wie lange Bärenmärkte dauern und wie du sie erkennen kannst.  

Bärenmarkt: Definition und Wortherkunft 

Bei einem Bärenmarkt entwickeln sich die Börsenkurse über einen längeren Zeitraum nach unten. Entsprechend pessimistisch sind auch die Erwartungen an die zukünftige Kursentwicklung. Ein Bärenmarkt ist also eine von sinkenden Kursen und einer eingetrübten Stimmung gekennzeichnete Situation am Aktienmarkt. Als Faustregel gilt unter ExpertInnen ein Kursabfall von 20 % oder mehr über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten. 

Bärenmarkt und Bullenmarkt

Das Gegenteil vom Bärenmarkt ist der Bullenmarkt, bei dem die Kursentwicklungen und Erwartungen der AnlegerInnen über längere Zeit positiv sind. Bärenmarkt, Bullenmarkt: Warum tummeln sich auf dem Aktienmarkt so viele Tiere?

Wenn du schon mal vor der Frankfurter Börse gestanden oder sie in den Nachrichten gesehen hast, sind dir vielleicht die beiden Bronzestatuen aufgefallen, ein Bulle und ein Bär. Sie sind die Symbolfiguren der Börse – nicht nur in Frankfurt am Main, sondern auch in New York und vielen anderen Städten der Welt. Sie stehen für die unterschiedlichen Kursentwicklungen und Erwartungen an der Börse.

Während der Bulle für eine positive Entwicklung steht, bedeutet der Bär eine negative. Warum? Wenn ein Bär in freier Wildbahn einen Angriff startet, zum Beispiel, um Fische zu fangen, stürzt er sich dabei nach unten. Das steht sinnbildlich für den starken Kursabfall an der Börse. Der Bulle greift mit den Hörnern von unten nach oben an – deshalb symbolisiert er steigende Kurse.

Übrigens: Im Französischen müssen keine Tiere für Aktienkurse herhalten. Dort heißen eine andauernde Negativentwicklung baisse (zu Deutsch “Rückgang”) und eine positive Entwicklung hausse (“Aufschwung”). Die Begriffe werden hierzulande auch genutzt.

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Was passiert bei einem Bärenmarkt an der Börse?

Bären stürzen sich beim Angriff nicht nur nach unten, sie sind dabei auch noch ziemlich furchteinflößend. Und so ist auch der Bärenmarkt für die Börse eine Gefahr. Stetig sinkende Kurse lassen nicht nur den Wert der Aktien fallen, sie sorgen auch für schlechte Stimmung. Wenn AnlegerInnen aufgrund anhaltend schlechter Kurse Angst bekommen, investieren viele von ihnen nicht in neue Wertpapiere oder verkaufen ihre Anlagen sogar. Das trübt die Stimmung am Markt noch weiter ein und führt zu einem weiteren Kursverlust.

Im schlimmsten Fall können so ganze Börsen kollabieren. Das war zum Beispiel 1929 in den USA der Fall. Innerhalb von vier Jahren verloren die Aktien bis zu 90 % an Wert, und am 25. Oktober 1929, hierzulande auch als “Schwarzer Freitag” bekannt, kollabierte die New Yorker Börse. Die Folgen des totalen Ausverkaufs der Aktien waren auf der ganzen Welt spürbar, und die USA sowie die damalige Weimarer Republik stürzten in eine schwere Wirtschaftskrise. Doch wie kommt es zu einem Bärenmarkt?   

Ursachen für den Bärenmarkt

Es gibt mehrere Gründe, die politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich bedingt sein können. Oft handelt es sich um Spekulationsblasen, die irgendwann platzen. So zum Beispiel 1929: Die Goldenen Zwanziger waren von einem starken wirtschaftlichen Aufschwung und einer positiven Stimmung geprägt, weshalb immer mehr Menschen Aktien kauften und Kredite aufnahmen. Schwankungen sind an der Börse völlig normal, und als die Kurse wieder nach unten gingen, bekamen es viele Menschen mit der Angst zu tun. Sie verkauften ihre Aktien, um ihr Geld zu retten, und so fielen die Kurse weiter. Nun war das Signal deutlich: Es geht bergab. Panik machte sich breit und immer mehr AnlegerInnen wollten ihre Wertpapiere so schnell wie möglich loswerden – bis die Börse kollabierte.    

Aktuellere Beispiele sind die Dotcom-Blase von 2000, die Finanzkrise von 2008/2009 und der Beginn der Pandemie in 2020. Die Finanzkrise zum Beispiel nahm ihren Anfang in den USA, als immer mehr Menschen ihre (viel zu freizügig vergebenen) Kredite nicht mehr bedienen konnten. Die Immobilienblase platzte, die Investmentbank Lehman Brothers ging Pleite und die Aktienkurse schlitterten nach unten. Bei der Dotcom-Blase von 2000 hatten sich ebenfalls viele Menschen verspekuliert. In der Hoffnung, die New Economy würde kontinuierlich weiterwachsen, investierten immer mehr Menschen in die sogenannten Dotcom-Unternehmen. Als das Wachstum nachließ und erste Firmen Insolvenz anmelden mussten, verkauften professionelle AnlegerInnen ihre Anteile. Die daraus resultierenden Kursverluste lösten bei KleinanlegerInnen Panik aus und die Kurse stürzten rapide ab. Der aufgeheizte Markt implodierte und die Aktien vieler neuer IT-Unternehmen waren plötzlich kaum noch etwas wert.

All das sind Extrembeispiele. Bärenmärkte wachsen sich nicht immer zu totalen Börsencrashs und weltweiten Wirtschafts- oder Finanzkrisen aus, auch wenn sie fast immer mit einer Rezession einhergehen. Oft folgen sie Perioden des Aufschwungs, genauso wie sich die Kurse nach einem deutlichen Abschwung auch wieder erhöhen – denn günstige Aktien bieten auch einen Kaufanreiz. 2020 etwa legten nach dem Kursabsturz in Deutschland so viele Menschen ihr Geld in Aktien an wie seit 20 Jahren nicht mehr. Bärenmärkte und Bullenmärkte bedingen sich also gegenseitig und wechseln sich im Lauf der Zeit immer wieder ab. Auch deshalb solltest du beim Investieren die Dauer und Anzeichen von Bärenmärkten an der Börse kennen – um im Falle eines Falles die richtige Entscheidung treffen zu können.   

Wie lange dauern Bärenmärkte?

Laut einer Langzeitstudie des US-amerikanischen Aktienindex Standard & Poor's dauert ein Bärenmarkt im Schnitt 14 Monate. Im Vergleich: Ein Bullenmarkt hat eine durchschnittliche Dauer von 4,4 Jahren. Zwischen dem Bärenmarkt der Finanzkrise und dem der Pandemie lagen zum Beispiel elf Jahre. Die beiden längsten Bärenmärkte waren nach der zweiten Ölkrise und nach der Dotcom-Krise. Sie dauerten anderthalb Jahre. 

Wann kommt der Bärenmarkt wieder?

Mit Blick auf die aktuelle Geldentwertung und die Energiepreiskrise wächst in Deutschland die Sorge vor einem Bärenmarkt. Nachdem der DAX in 2021 die 15.000 Punkte Marke geknackt hatte, kratzt er seit einiger Zeit nur noch an der 13.000. Laut den Berechnungen von Standard & Poor’s ist der nächste Bärenmarkt in den USA bereits angekommen. Befinden wir uns auch hierzulande in einer sogenannten Bärenmarkt-Rallye?  

Wie lässt sich ein Bärenmarkt an der Börse erkennen?

Tatsächlich ist die aktuelle Situation ein gutes Beispiel, um die Anzeichen eines Bärenmarktes zu deuten. Die andauernden geopolitischen Spannungen machen sich auch an der Börse bemerkbar, viele ExpertInnen blicken mit Sorge auf die Zukunft. Dazu kommen die steigenden Energiepreise. Vor allem KleinanlegerInnen müssen oder wollen ihr Geld sichern und ziehen sich aus dem Aktienmarkt zurück. Auch wenn die Aktien einzelner Unternehmen von der aktuellen Krise profitieren, ist die Gesamtstimmung am Markt eingetrübt.

Dazu kommen die Auswirkungen der aktuellen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Um eine Deflation zu vermeiden und die Wirtschaft anzukurbeln, hat die EZB über viele Jahre eine Null-Zins-Politik betrieben. Es war günstiger, Geld auszugeben als zu sparen, da Banken keine attraktiven Zinsen bieten konnten. Auch deshalb wurden Aktien und ETFs für viele Menschen interessanter – hier konnten sie ihr Geld gewinnbringend anlegen oder sogar hohe Renditen erzielen. Nun hat sich die Situation geändert: Um die aktuelle Inflation einzudämmen, hat die EZB den Leitzins bereits zum zweiten Mal erhöht (Stand September 2022). An der Börse machten sich sogenannte Zinsängste breit und der Aktienkurs fiel, denn eine Leitzinserhöhung ist kein gutes Zeichen: Zentralbanken tun dies nur, um geschwächte Märkte zu stabilisieren. Die Verbraucherpreise steigen dadurch zwar weniger stark, gleichzeitig geht aber auch die Investitionsbereitschaft in der Wirtschaft zurück. Das facht die Sorgen vor einer Stagflation an und begünstigt eine Bärenmarkt-Rallye. Mit steigenden Zinsen lohnen sich auch Spar- und Tagesgeldkonten wieder – ein weiterer Grund, warum Menschen ihre Aktien verkaufen und lieber bei der Bank anlegen. 

Natürlich gibt es auch bestimmte Regeln, mit denen sich am Aktienmarkt ein Bärenmarkt berechnen lässt. ExpertInnen zufolge muss sich die negative Kursentwicklung über mindestens zwei Monate hinziehen. Die 2-Prozent-Regel wiederum besagt, dass zwischen dem letzten Hochpunkt eines Bullenmarktes und dem letzten Tiefpunkt eines Bärenmarktes der Kursverlust jeden Monat bei 2 % liegen muss. Und die Zwei-Drittel-Ein-Drittel-Regel besagt, dass zwei Drittel des gesamten Kursverlustes zeitlich im letzten Drittel eines Bärenmarkts auftritt. Sind diese Kriterien nicht erfüllt, sprechen ExpertInnen eher von einer Korrektur des Marktes. Kurzzeitige Kursverluste sind also durchaus positiv, damit sich Märkte zum Beispiel nicht überhitzen und die Dauer von Bullenmärkten verlängert wird. Eine Regel professioneller AnlegerInnen lautet daher, Anteile in den ersten drei Monaten eines Kursverlustes zu behalten.

Bärenmarkt und Krypto 

Ein anderes spannendes Beispiel kommt aus der Kryptowelt. Lange Zeit ließen sich mit Ethereum und Co. satte Gewinne erzielen, weshalb viele Menschen statt in Aktien in Kryptowährungen investierten. Doch seit Ende 2021 haben sich die hohen Erwartungen bei vielen in Luft aufgelöst. Denn obwohl die Krypto-Welt anderen Regeln als die klassische Börsenwelt folgt, bleibt auch dieser Markt nicht von äußeren Einflüssen und Spekulationsblasen verschont.

Der Bitcoin-Bärenmarkt und seine Auswirkungen

Zeitweilig war der Bitcoin fast 60.000 € wert – beachtlich für eine digitale Währung, die erst seit 2009 existiert. Seit knapp einem Jahr verliert der Bitcoin jedoch massiv an Wert. Im September 2022 ist er mit etwa 19.800 € nur noch ein Drittel so viel wert. Seit Juli hat sich der Wertverlust zwar etwas eingependelt, allerdings sprechen viele von einem Bitcoin-Bärenmarkt statt von einer Korrektur.

Neben dem Bitcoin sind noch zahlreiche andere Kryptowährungen entstanden. Der Bitcoin funktioniert wie eine Art Leitwährung, sein Wertverlust macht sich deshalb auch bei den anderen Coins bemerkbar. Es scheint, als sei der Bärenmarkt in der Krypto-Welt angekommen. Ob die Krypto-Blase geplatzt ist, lässt sich jedoch nicht mit Sicherheit sagen. Denn wie du jetzt weißt, dauern Bärenmärkte nicht lang und werden durch Bullenmärkte abgelöst. 

Du willst mehr über Finanzen und Wirtschaft erfahren? Auf unserem Blog findest du viele spannende Artikel, zum Beispiel über die Hyperinflation, die Vor- und Nachteile von Kryptowährungen sowie zahlreiche Tipps für deine Finanzplanung!

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Von N26

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