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Stagflation: Bedeutung und Folgen einfach erklärt

Droht Deutschland eine Stagflation? Und wenn ja, was bedeutet das genau? Hier erfährst du, was hinter dem Begriff steckt, welche Folgen Stagflation hat und warum davon sogar manche profitieren.

Lesezeit: 8 Min.

Steigende Preise für Lebensmittel, Strom und Co. bestimmen derzeit den Alltag vieler Menschen. Die Inflation ist zurück! Doch kaum haben wir uns einigermaßen an den neuen Zustand gewöhnt, geistert der nächste Begriff durch die Nachrichten. Die Rede ist von Stagflation, was irgendwie so ähnlich klingt wie Inflation. Tatsächlich sind beide Begriffe auch miteinander verwandt. Wie genau, erklären wir in diesem Artikel. Von der Definition über Gründe und Folgen bis hin zu Gewinnern und Verlierern erfährst du hier alles Wissenswerte rund um Stagflation – einfach erklärt und mit historischen Beispielen hinterlegt.

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Stagflation: Definition und Beispiele

Alle reden davon, doch was ist Stagflation? Der Begriff ist eine Art Kunstwort, das sich aus Stagnation und Inflation zusammensetzt. Um zu verstehen, was das bedeutet, sehen wir uns beide Phänomene einmal genauer an. 

Stagnation: Wenn die Wirtschaft weniger wächst

Bei einer Stagnation tritt die Wirtschaft sprichwörtlich auf der Stelle – sie stagniert. Das Wirtschaftswachstum bleibt gleich oder verlangsamt sich, was mit geringerer Produktivität und mehr Arbeitslosigkeit einhergehen kann. In der Folge haben Menschen und Unternehmen weniger Geld zur Verfügung, was die Nachfrage und Investitionsbereitschaft mindern kann. Gemessen wird die Stagnation anhand des Bruttoinlandsproduktes bzw. des Bruttonationaleinkommens, welches bei einer Stagnation nicht mehr oder geringer wächst.

Eine Stagnation kann ein Hinweis auf ein Abflauen der Wirtschaft sein. Schrumpft die Wirtschaft tatsächlich und das mindestens sechs Monate lang, handelt es sich um eine Rezession, also einen Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Inflation: Wenn Geld seinen Wert verliert

Bei einer Inflation, auch Geldentwertung genannt, steigen die Preise vieler Produkte des täglichen Bedarfs. Die Gründe können zum Beispiel eine erhöhte Nachfrage oder eine Verknappung bestimmter Güter sein. Aufgrund der höheren Preise kommt immer mehr Geld in Umlauf, was den eigentlichen Wert des Geldes mindert. Bei einer Inflation ist eine Währung also nicht mehr so viel wert wie zuvor.

Gemessen wird die Inflation in Prozent. Eine Inflationsrate von 2 % gilt als normal, aktuell liegt sie in Deutschland bei 7,4 % (Stand: Juli 2022). Je nach Einkaufsverhalten kann sich eine Inflation aber auch höher anfühlen, als sie tatsächlich ist. Liegt die Inflationsrate bei 50 % oder höher, handelt es sich um eine Hyperinflation.

Stagflation am Beispiel der Ölpreiskrise 1973/74

Bei einer Stagflation treten Inflation und Stagnation gleichzeitig auf: Die Wirtschaft stagniert und die Währung verliert an Wert. Ein bekanntes Beispiel für eine Stagflation ist die Ölpreiskrise von 1973/74, die auch die damalige Bundesrepublik Deutschland betraf.

Damals stiegen die Rohölpreise aufgrund verschiedener externer Faktoren rapide an. Der Staat zahlte viel Geld für Erdöl, Firmen mussten Insolvenz anmelden und Menschen verloren ihre Arbeit. Das Wirtschaftswachstum, in 1973 noch bei 4,7 %, wurde ausgebremst und betrug 1974 nur 0,2 % bzw. -1,5 % in 1975. Der Preisschock trieb auch die Inflationsrate in die Höhe, sie lag in 1973 und 1974 bei etwa 7 %.

Wie kommt es zu einer Stagflation?

Beim Stichwort Ölpreiskrise kommt dir vielleicht ein sehr aktuelles Beispiel in den Sinn: die steigenden Gaspreise und Stromkosten. Genau wie heute vor allem geopolitische Spannungen die Energiepreise nach oben treiben, waren auch 1973/74 Konflikte zwischen Staaten eine der Ursachen für die Wirtschaftskrise. Und was war passiert?

Nachdem die USA selbst lange Zeit Erdöl gefördert hatten, begannen sie schon in den 1950er Jahren immer mehr Öl aus dem Ausland zu importieren. Dies war günstiger, hatte aber auch zur Folge, dass die heimische Erdölförderung allmählich zurückging. Das meiste Öl wurde aus dem Nahen Osten importiert. Doch als im Oktober 1973 der Jom-Kippur-Krieg in Israel ausbrach, reduzierten viele arabische Länder die Fördermenge – denn die USA und andere westliche Länder stellten sich auf die Seite Israels.

Die Ölpreise waren aufgrund der zunehmenden Privatisierung des Sektors schon seit einiger Zeit gestiegen, die erzwungene Verknappung aufgrund des Krieges tat sein Übriges. Aufgrund der hohen Abhängigkeit von Erdöl aus dem Nahen Osten mussten Staaten wie die USA und Deutschland wohl oder übel die hohen Preise zahlen, um ihren Bedarf zu decken – was der heimischen Wirtschaft schadete und die Inflation begünstigte. In der Ölpreiskrise führte die damalige Bundesregierung unter anderem autofreie Sonntage und ein Tempolimit ein, um Benzin zu sparen. Dies zeigte jedoch nicht die erwünschte Wirkung. Die Wirtschaft flaute weiter ab und erholte sich erst 1976 langsam wieder.

Du siehst, es gibt mehrere Faktoren, die eine Stagflation begünstigen und oft in Kombination auftreten: Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen, geopolitische Spannungen, Preiserhöhungen und andere Krisen. Aktuell befinden wir uns in einer vergleichbaren Situation, weshalb einige WirtschaftsexpertInnen eine Stagflation in Deutschland befürchten. In den USA sieht es laut dem Goldman Sachs Stagflation Index ähnlich aus und auch die Weltbank hat ihre Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum nach unten korrigiert. Doch was passiert eigentlich genau bei einer Stagflation und wie wirkt sie sich im Einzelnen aus?

Was passiert bei einer Stagflation? 

Im Prinzip handelt es sich um ein Verteilungsproblem. Stell dir vor, ein Staat muss einen bestimmten Rohstoff importieren, weil er hierzulande nicht verfügbar ist. Das wird zum Problem, wenn die Preise steigen, der Bedarf für den Rohstoff aber derselbe bleibt. Das betrifft sowohl den Staat, der den Rohstoff importieren muss, als auch Unternehmen und EndverbraucherInnen, denn sie müssen ebenfalls höhere Preise zahlen.

Tritt gleichzeitig eine Geldentwertung auf, steigen auch die Preise für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Im schlimmsten Fall kann sich eine Lohn-Preis-Spirale bilden, wenn ArbeitnehmerInnen ein höheres Gehalt einfordern, um die finanzielle Belastung auszugleichen. Denn das setzt Unternehmen zusätzlich unter Druck.

Außerdem müssen Unternehmen, Privatpersonen und der Staat Geld sparen: Stellen werden abgebaut, Investitionen verschoben und unnötige Ausgaben vermieden. Das lässt die Wirtschaft weiter schrumpfen und verschärft die Arbeitslosigkeit. Es kann, wie in den 1970ern, schlimmstenfalls zu einer Rezession kommen.

Gibt es in einer Stagflation Gewinner?

Arbeitslosigkeit, steigende Preise, Rezession: Das klingt alles andere als gut. Vor allem Menschen mit Geldsorgen leiden unter der Stagflation und ihren Folgen. Trotzdem kann eine Stagflation auch Gewinner hervorbringen.

Stagflation: Welche Aktien an Wert zulegen

Es gibt Produkte, auf die wir im Alltag nicht verzichten können, auch wenn sie teurer werden. Deshalb gibt es bei einer Stagflation auch Gewinner. Dabei handelt es sich in der Regel um Unternehmen, die genau diese unverzichtbaren Produkte anbieten, sogenannte defensive Unternehmen. Bei einer Stagflation legen ihre Aktien an Wert zu, wie es aktuell bei vielen Energiekonzernen zu beobachten ist. Davon profitieren nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch die AktionärInnen.

Schwierig wird es natürlich bei Firmen, deren Aktienkurse fallen – das wirkt sich auch negativ auf dein Anlageportfolio aus. Falls du überlegst, dein Geld anzulegen, Aktien dir jedoch zu risikoreich erscheinen, könnte ein Sparbrief eine Alternative sein.

Stagflation und Gold 

Der Rohstoff Gold gilt seit Langem als sichere Wertanlage. Natürlich unterliegt auch der  Goldpreis Schwankungen, ist im Vergleich zu Aktien jedoch stabiler. In der Ölpreiskrise von 1973/74 legte der Preis sogar zu. Im Falle einer Stagflation könnte sich Gold wieder als sichere Anlage erweisen, vor allem, wenn die Zinsen weiterhin niedrig und beispielsweise Sparkonten eher unattraktiv bleiben.  

Wie die Stagflation Immobilienpreise beeinflusst

Falls du überlegst, ein eigenes Haus zu kaufen, ist jetzt kein schlechter Zeitpunkt. Denn aktuell profitierst du noch von relativ niedrigen Zinsen für deinen Kredit – vorausgesetzt, die Zinshöhe ist in deinem Finanzierungsplan über einen längeren Zeitraum festgelegt.

Anders verhält es sich, wenn du eine Immobilie verkaufen willst. Wenn die Wirtschaft stagniert und die Inflationsrate hoch ist, wirkt sich das negativ auf die Immobilienpreise aus. Bei einer Stagflation ist es deshalb schwierig, Eigentum gewinnbringend zu verkaufen, zumal du noch Spekulationssteuer zahlen musst.

Wie lässt sich Stagflation bekämpfen? 

Auch wenn es einige Parallelen zur Ölpreiskrise gibt: Anders als in den 1970er Jahren genießen Zentralbanken heute ein größeres Vertrauen. Mit einer besonnenen Geldpolitik können sie eine Stagflation und ihre Folgen abwehren. Wenn zum Beispiel die Leitzinsen vorsichtig erhöht werden, sendet das ein positives Signal und hilft, die Preise zu stabilisieren. Allerdings können Leitzinserhöhungen die Konjunktur zusätzlich schwächen, weshalb Zentralbanken so vorsichtig agieren müssen. 

Auch Staaten können etwas tun, indem sie Unternehmen finanziell entlasten. So könnten Arbeitsplätze gesichert und die Produktion angekurbelt werden, was der Wirtschaft mehr Schwung verleihen würde. Diese Herangehensweise nennt sich angebotsorientierte Wirtschaftspolitik. Allerdings können Entlastungen auch dazu führen, dass der Staat mehr Ausgaben hat und weniger Einnahmen durch Steuern erzielt. Dieses Haushaltsdefizit muss irgendwann wieder ausgeglichen werden. 

Du siehst, es ist nicht so leicht, den richtigen Weg zu finden. Viele Faktoren spielen eine Rolle und hängen miteinander zusammen. Und was kannst du selbst tun? Falls du nicht in Aktien, Gold oder Immobilien investieren kannst und knapp bei Kasse bist, gibt es trotz höherer Preise clevere Tipps, um Geld zu sparen – zum Beispiel beim Lebensmitteleinkauf oder bei deinem Konto.

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Von N26

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