Konjunkturzyklus dargestellt mithilfe dem Lebenszyklus eines Blattes.

Konjunktur einfach erklärt

In diesem Leitfaden erfährst du alles, was du zum Thema Konjunktur wissen musst – vom Konjunkturverlauf und den vier Konjunkturphasen bis hin zur Konjunkturpolitik.

Lesezeit: 6 Min.

Egal ob in den Nachrichten, in der Zeitung oder online – die Konjunktur ist eigentlich immer im Gespräch. Mal ist sie im Aufschwung, mal im Abschwung. Doch woran wird die aktuelle Konjunkturlage eigentlich gemessen? Was sind Konjunkturschwankungen und wodurch genau werden sie verursacht? All das und mehr erfährst du, wenn du weiterliest.

Was ist Konjunktur?

Mit Konjunktur ist grundsätzlich die gesamte wirtschaftliche Lage eines Landes gemeint, vor allem in Bezug auf den aktuellen positiven oder negativen Trend seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Das heißt, ob das Land momentan einen wirtschaftlichen Aufschwung, Abschwung oder Stillstand erlebt. In welcher Phase sich die aktuelle Konjunktur befindet, wird vor allem an den Veränderungen des Bruttoinlandsprodukts gemessen. Daneben gibt es aber auch noch zahlreiche weitere Indikatoren für die konjunkturelle Lage einer Volkswirtschaft. 

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Konjunktur Definition

Der Begriff Konjunktur wird als „zyklische Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotentials einer Volkswirtschaft“ definiert. Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass ein Land nicht immer gleich viel produziert, sondern dass seine Produktion mal höher und mal niedriger ist.

Konjunktur Beispiel

Neben der Gesamtkonjunktur ist aber auch oft von einzelnen Branchenkonjunkturen die Rede. Und weil sich die Konjunktur am einfachsten anhand eines konkreten Produkts veranschaulichen lässt, bleiben wir vorerst auch einmal im Bereich der Branchenkonjunktur. Die Gesamtkonjunktur kann aber natürlich nicht nur an einem Produkt gemessen werden – dazu müssten die Konjunkturschwankungen aller Branchen als Einheit betrachtet werden. Für unser Beispiel haben wir uns Bluetooth-Kopfhörer ausgesucht. Nehmen wir also an, dass immer mehr VerbraucherInnen dieses Produkt kaufen möchten. Es kommt also zu einer verstärkten Nachfrage. Um dieser Nachfrage nachzukommen, erweitern viele Unternehmen ihre Produktion. Und dazu benötigen sie mehr MitarbeiterInnen und Maschinen – die Arbeitslosigkeit sinkt folglich und die Wirtschaft befindet sich in einer Aufschwungphase. Jetzt haben immer mehr Haushalte verfügbares Einkommen, das sie für Dinge wie Bluetooth-Kopfhörer ausgeben können. Die Nachfrage steigt also weiter an.Allerdings sind den Unternehmen durch die zusätzlichen Maschinen und Arbeitskräfte Mehrkosten entstanden, sodass sie die Preise für ihre Bluetooth-Kopfhörer erhöhen müssen. Doch nicht alle VerbraucherInnen können sich die neuen Preise leisten, es werden also weniger Bluetooth-Kopfhörer verkauft. Aufgrund der gesunkenen Nachfrage können Unternehmen ihre Produktionskapazitäten nicht mehr vollständig auslasten, sodass unter anderem MitarbeiterInnen entlassen werden müssen. Die Wirtschaft befindet sich nun in einer Rezession.

Der Konjunkturzyklus

Wie unser Beispiel zeigt, verläuft die Wirtschaft also nicht geradlinig in eine Richtung. Vielmehr entwickelt sie sich in einer wellenförmigen Kurve mit Auf- und Abschwüngen, die stets in derselben Abfolge nacheinander auftreten. Diese gesamte Kurve wird als Konjunkturzyklus oder auch Konjunkturkurve bezeichnet. Sie setzt sich aus den vier Konjunkturphasen zusammen:

  • Aufschwung / Expansion
  • Boom / Hochkonjunktur
  • Abschwung / Rezession 
  • Tiefpunkt / Depression 

Was sind die 4 Phasen der Konjunktur? 

Wie du bereits weißt, nennt man die vier einzelnen Abschnitte, die sich in einem kompletten Konjunkturzyklus wiederholen, Konjunkturphasen. Sie zeigen die allgemeinen wirtschaftlichen Wachstumsraten oder Schwankungen in einer Region oder einem Land an. Die einzelnen Phasen können jeweils mehrere Jahre dauern und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Sie lassen sich auch nicht immer ganz eindeutig voneinander abgrenzen. Ihre Abfolge bleibt jedoch immer gleich. 

Phase 1: Der Aufschwung 

Die erste Konjunkturphase nach einer Depression ist für gewöhnlich eine Zeit des Aufschwungs und der Expansion. Die Wirtschaft erholt sich und wächst wieder. Sowohl VerbraucherInnen als auch AnbieterInnen blicken optimistisch in die Zukunft und die Nachfrage nach Gütern steigt. Die Produktion nimmt zu, die Arbeitslosigkeit sinkt und Unternehmen machen wieder mehr Investitionen. Auch die Preise und Löhne steigen wieder an. Kredite werden aufgrund der niedrigen Zinsen und guten Wirtschaftsaussichten verstärkt nachgefragt. 

Phase 2: Die Hochkonjunktur

Als Nächstes kommt die Phase der Hochkonjunktur, auch Boom genannt. In dieser Zeit wächst und gedeiht die Wirtschaft geradezu. Die Nachfrage nach Gütern, Arbeitskräften, Maschinen und Rohstoffen ist hoch. Preise, Löhne und Zinsniveau steigen. Die Produktionskapazitäten sind voll ausgelastet und die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Während einer Hochkonjunktur steigt allerdings auch das Risiko einer Inflation, die zu einem wirtschaftlichen Abschwung, also einer Rezession, führen kann. Test doch mal unseren Inflationsrechner und entdecke, was mit deinem Geld in einer Hochkonjunktur passieren kann.

Phase 3: Die Rezession 

Auf den Boom folgt der Konjunkturabschwung. In dieser Phase schwächelt die Wirtschaft. Die Nachfrage sinkt, während die Arbeitslosigkeit steigt. Preise, Löhne und Zinsen stagnieren, es werden immer weniger Investitionen getätigt und die Produktionskapazitäten sind immer geringer ausgelastet.

Phase 4: Der Tiefpunkt 

Wenn die Phase der Rezession zu lange anhält, kann sie sich zu einer Depression entwickeln. Diese Phase ist eine schwere Wirtschaftskrise, in der die Nachfrage stark zurückgeht, Unternehmen nur geringe Gewinnerwartungen haben und kaum Investitionen wagen. Die Produktionskapazitäten sind nun vollkommen unausgelastet, es herrscht hohe Arbeitslosigkeit und die Preise und Löhne sinken. In einer Depression steigt daher auch immer das Risiko einer Deflation.

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Wie wird die Konjunktur gemessen?

Zur Bestimmung der Konjunktur und ihrer Entwicklung ist vor allem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wichtig. Aber auch Indikatoren wie Zinsniveau, Arbeitslosenzahlen oder Auslastung der Produktionskapazitäten wirken sich auf die konjunkturelle Entwicklung eines Landes aus und werden daher als Messgrößen verwendet. Wenn zum Beispiel die Nachfrage steigt, dann stellen Unternehmen mehr Güter her. Das führt zu wirtschaftlichem Wachstum und einer positiven Wirtschaftsentwicklung – folglich gibt es einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Konjunkturverlauf: Diese Faktoren bestimmen die Konjunktur 

Wie genau sich die Konjunkturkurve entwickelt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel: 

  • Nachfrage von privaten VerbraucherInnen
  • Entwicklung des BIP
  • Preisniveau
  • Beschäftigungsgrad
  • Wirtschaftswachstum
  • Von Unternehmen getätigte Investitionen
  • Einnahmen und Ausgaben eines Landes
  • Import- und Exportstatistiken
  • Gleichgewicht der Außenwirtschaft 
  • Staatsausgaben
  • Globale Krisen

So führt beispielsweise eine erhöhte Nachfrage zu Wirtschaftswachstum oder Erholung, während eine steigende Arbeitslosigkeit oder schwache Nachfrage eine Rezession zur Folge haben. Aber wusstest du, dass auch psychologische Aspekte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Konjunkturphasen spielen? Denn sowohl positive als auch negative Zukunftserwartungen der VerbraucherInnen können die Entwicklung der Konjunktur beeinflussen. 

In der Wirtschaftswissenschaft werden all diese unterschiedlichen Faktoren in zwei Gruppen unterteilt: endogene und exogene Faktoren.

  • Endogene Faktoren: Diese Faktoren werden auch als innere Faktoren bezeichnet, denn sie beeinflussen die Wirtschaft von innen heraus. Endogene Faktoren sind zum Beispiel niedrige Einkommen, Überinvestitionen, Preissteigerungen, sowie Lohn- und Steuererhöhungen.
  • Exogene Faktoren: Exogene Faktoren beziehen sich dagegen auf Ereignisse, die sich von außen auf die Wirtschaft einwirken. Zum Beispiel optimistische oder pessimistische Erwartungen, globale Krisen, Kriege oder Naturkatastrophen.

Indikatoren Konjunktur 

Die sogenannten Konjunkturindikatoren dienen dazu, die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes oder einer Region für einen bestimmten Zeitraum zu prognostizieren. Den wichtigsten Indikator für Konjunkturschwankungen, das Bruttoinlandsprodukt, kennst du bereits. Doch es gibt auch andere Größen, die zur Bestimmung der Konjunkturlage herangezogen werden können. Man unterscheidet hierbei zwischen drei unterschiedlichen Arten von Indikatoren: Frühindikatoren, Gegenwartsindikatoren und Spätindikatoren.

Indikator

Beschreibung

Beispiel

Frühindikatoren

Frühindikatoren können im Normalfall die wirtschaftliche Lage für die nächsten 6 Monate ziemlich genau vorhersagen. Unvorhersehbare Ereignisse können sie aber natürlich nicht vorhersehen.

Aktienindex

Einzelhandelsumsätze

Geschäftsklimaindex

Gewinnerwartungen

Lagerbestände 

Geldmengenwachstum

Gegenwartsindikatoren

Gegenwartsindikatoren weisen auf die jetzige Lage der Konjunktur hin. Durch sie können auch aktuelle Trends beurteilt werden.

BIP

Wirtschaftswachstum

Kapazitätsauslastung

Lagerbestände

Preise

Spätindikatoren

Spätindikatoren bewerten die wirtschaftliche Lage im Nachhinein. Sie sind vor allem hilfreich, um Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Arbeitslosenquote

BIP

Inflationsrate

Preis- und Zinsniveau

Steuereinnahmen

Was ist eine gute Konjunktur?

Im Allgemeinen spricht man von einer guten Wirtschaftslage in einem Land – also einer Phase der Hochkonjunktur – wenn Unternehmen ihre Produktionskapazitäten voll ausschöpfen, die Arbeitslosenquote so niedrig ist, dass Vollbeschäftigung herrscht, und die Kaufkraft des Geldes hoch ist. 

Konjunkturpolitik 

Der Begriff Konjunkturpolitik bezeichnet wirtschaftspolitische Maßnahmen, die der Staat bei extremen Konjunkturschwankungen ergreift, um die Volkswirtschaft zu stärken. Vor allem, wenn sich ein Land in einer Rezession oder Depression befindet, sind diese Maßnahmen erforderlich. Zu den Zielen der Konjunkturpolitik zählen vor allem Preisstabilität, Vollbeschäftigung, Wirtschaftswachstum sowie ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Um diese Ziele zu erreichen, kann der Staat verschiedene politische Instrumente einsetzen, um so den Konjunkturzyklus zu unterbrechen und eine stabile Wirtschaftslage zu fördern. 

  • Fiskalpolitik: Das Ziel der Fiskalpolitik ist es, die Nachfrage zu steigern. Um dies zu erreichen, setzt der Staat oft auf Steuerentlastungen und/oder Subventionen.
  • Geldpolitik: Die EZB verfolgt mit ihrer Geldpolitik ein zentrales Ziel: nämlich die Preisstabilität des Euros. Dazu steuert sie unter anderem die Geldmenge, die auf den Markt kommt.
  • Einkommenspolitik: Das Ziel der Einkommenspolitik ist es, Einkommen wie Arbeitseinkommen, Zinsen oder Gewinne so zu steuern, dass sich ihre Entwicklung mit den konjunkturpolitischen Zielen vereinbaren lässt. Dabei werden direkte (z. B.  Lohn- oder Preisstopp) sowie indirekte Maßnahmen (Förderung des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs) eingesetzt.

Ganz gleich, ob die Konjunktur gerade im Aufschwung oder Abschwung ist, mit unseren Spartipps erreichst du deine Sparziele schneller. Außerdem findest du auf unserem Blog viele weitere hilfreiche Artikel rund ums Thema Finanzen!   

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Von N26

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