Kleine Figuren, die auf einem Stapel Geldmünzen stehen und sitzen.

Kaufkraft und Inflation: Wirtschaft einfach erklärt

Alle reden davon, doch was genau ist die Kaufkraft eigentlich? Hier erfährst du alles, was du dazu wissen musst – inklusive, wie die Kaufkraft mit Preisniveau und Inflation zusammenhängt.

Lesezeit: 8 Min.

Den Begriff Kaufkraft hast du bestimmt schon einmal gehört. Besonders im Zusammenhang mit der steigenden Inflationsrate sprechen gerade immer mehr Leute von einem Kaufkraftverlust. Doch was genau bedeutet das eigentlich?

In diesem Blogartikel erfährst du, warum die Kaufkraft so wichtig ist, wie sie berechnet wird, worum es sich beim sogenannten Kaufkraftindex handelt und vieles mehr.

Kaufkraft Definition

Je nachdem, ob die Kaufkraft auf betriebswirtschaftliche oder volkswirtschaftliche Weise betrachtet wird, gibt es zwei unterschiedliche Definitionen:

  • In der Betriebswirtschaft (BWL) ist die Kaufkraft das verfügbare Einkommen aller Bevölkerungsschichten in einer bestimmten Region. Sie wird durch das Nettoeinkommen ermittelt – also das tatsächlich zur Verfügung stehende Einkommen.
  • In der Volkswirtschaft stellt Kaufkraft den Maßstab für den Wert des Geldes dar. Sie gibt an, wie viele Güter oder Dienstleistungen du mit einer bestimmten Geldeinheit kaufen kannst. 

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Was ist die Kaufkraft des Geldes?

Eigentlich ist die Sache ganz simpel: Die Kaufkraft des Geldes legt fest, wie viel du dir mit einem bestimmten Geldbetrag kaufen kannst. Wenn du dir für dasselbe Geld mehr kaufen kannst als zuvor, dann ist die Kaufkraft gestiegen. Wenn du mit derselben Geldmenge weniger kaufen kannst als zuvor, ist sie gesunken. Bei einem Konjunkturaufschwung, oder in einem Bullenmarkt, zieht die Kaufkraft demnach an, während sie in einem Bärenmarkt, also einem Abschwung, abnimmt. Doch was beeinflusst die Kaufkraft? Mehr dazu im nächsten Abschnitt. 

Was bestimmt die Kaufkraft?

Ob die Kaufkraft steigt oder sinkt, ist vor allem abhängig von den Preisen. Je nach Wirtschaftslage kann die Kaufkraft des Geldes also stark variieren. Allgemein gilt: Je höher die Preise, desto geringer ist die Kaufkraft. Wenn die Kaufkraft bei gleich hohem Einkommen sinkt, spricht man von einer Inflation oder Geldentwertung. Wenn die Kaufkraft des Geldes bei gleich hohem Einkommen steigt, spricht man von Deflation.

Gemessen wird die Kaufkraft anhand des Preisniveaus – also dem Durchschnitt aller Preise in einer Volkswirtschaft. Um das Preisniveau zu bestimmen, wird ein Warenkorb aus 650 verschiedenen Gütern und Dienstleistungen zusammengestellt, die von einem typischen Haushalt gekauft werden. Dazu gehören zum Beispiel Lebensmittel, Kleidung und Miete, aber auch Dinge wie Friseurbesuche oder Pauschalreisen. Mithilfe dieses Warenkorbs berechnet das Statistische Bundesamt dann den Maßstab für Preisveränderungen: den sogenannten Verbraucherpreisindex

Preisniveau und Kaufkraft stehen in einem umgekehrten Verhältnis zueinander. Wenn der Verbraucherpreisindex steigt, dann sinkt also die Kaufkraft des Geldes. Wenn der Verbraucherindex sinkt, steigt die Kaufkraft.

Warum schwankt die Kaufkraft?

Die Preise verschiedener Waren und Dienstleistungen verändern sich regelmäßig. Das ist ganz normal und hat mit Nachfrage und Angebot zu tun. Ein beliebtes Beispiel ist Heizöl: Im Winter wird es teurer (hohe Nachfrage) und im Sommer (geringe Nachfrage) wird es wieder günstiger. Da die Kaufkraft von den Preisen abhängt, schwankt sie ständig. 

Wenn die Preise aufgrund von Inflation immer teurer werden, kannst du dir für den gleichen Geldwert weniger kaufen. Dadurch sinkt deine Kaufkraft. Bei einer Deflation ist es umgekehrt: Die Preise sinken und die Kaufkraft nimmt zu. Du kannst dir also mit einem bestimmten Geldbetrag mehr leisten als zuvor.

Warum ist Inflation schlecht für die Kaufkraft?

Wenn die Inflation schneller ansteigt als die Löhne, dann sinkt die Kaufkraft. Je höher die In­fla­ti­ons­ra­te, desto schmerzhafter die Kaufkraftverluste. Du fragst dich, warum? Im Grunde ist es ganz einfach: Bei einer In­fla­ti­on steigen die Preise und der Wert des Geldes sinkt. Du kannst dir also für dasselbe Geld immer weniger leisten. Deine Kauf­kraft schmälert sich.

Wenn ein Wintermantel zum Bei­spiel heute 100 € kostet, würde derselbe Mantel bei einer In­fla­ti­ons­ra­te von 5 %  nächstes Jahr 105 € und in 5 Jah­ren bereits um die 128 € kosten. Im Idealfall würde sich dein Gehalt an die Inflationsrate anpassen, damit deine Kaufkraft zumindest gleich hoch bleibt. Doch leider ist das meistens nicht der Fall.

Die negativen Auswirkungen einer geringeren Kaufkraft bekommen also vor allem diejenigen zu spüren, die Ge­häl­ter, Ren­ten oder  So­zi­al­leis­tun­gen beziehen. Denn solche Einkommen werden in der Regel nicht an die Inflation angepasst. Das Ergebnis? VerbraucherInnen können sich von ihrem Geld immer we­ni­ger leis­ten. Aber auch für Spa­rerInnen ist die Geldentwertung nachteilig, denn auch Geld­an­la­gen wie Altersvorsorgen ver­lie­ren dadurch an Kauf­kraft. Eine starke Inflation könnte zum Beispiel dazu führen, dass die Ersparnisse in deiner Altersvorsorge nicht mehr ausreichen, um deinen Le­bens­un­ter­halt zu si­chern. Im Extremfall könnte es auch zu einer Hyperinflation kommen, allerdings sind wir davon derzeit noch weit entfernt.

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Maßnahmen zur Stützung der Kaufkraft

Die Kaufkraft hängt hauptsächlich von den Preisen ab, daher sind stabile Preise besonders wichtig. Kein Wunder also, dass das zentrale Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) die Preisstabilität ist. Mit ihrer Geldpolitik strebt die EZB daher eine Inflation von 2 % an

Im Juli 2022 hat die EZB zum ersten Mal seit elf Jahren den Leitzins erhöht, um der Geldentwertung und einer fallenden Kaufkraft entgegenzuwirken. 

Denn ein höherer Leitzins führt dazu, dass weniger Kredite abgeschlossen werden und Banken sich auch weniger Geld von den Zentralbanken ausleihen. Das Angebot an Geld sinkt also. Dadurch gewinnt jeder existierende Euro an Wert, die Verbraucherpreise werden günstiger und die Kaufkraft des Geldes steigt. Dennoch stieg 2022 die Angst vor einer sogenannten Stagflation, also einer Geldentwertung, bei der gleichzeitig die Wirtschaft stagniert, und die sich schlimmstenfalls zu einer Rezession entwickeln könnte.

Weitere Maßnahmen, die zur Stärkung der Kaufkraft beitragen, wären beispielsweise Bauprojekte, die Arbeitsplätze schaffen, oder durch den Staat erlassene Steuersenkungen, um die Steuerlast der VerbraucherInnen zu mindern und zu einer gesteigerten Kaufkraft beizutragen.

Was ist der Kaufkraftindex?

Die Kaufkraft unterscheidet sich nicht nur von Land zu Land, sondern auch zwischen den verschiedenen Regionen eines Landes. Sie hängt von zwei Faktoren ab: dem Verkaufspreis der Güter und dem Nettoeinkommen der Bevölkerung. Damit die Kaufkraft verschiedener Regionen oder Länder miteinander verglichen werden können, muss die Kaufkraft als Indexwert dargestellt werden. Der Kaufkraftindex dient also zum Vergleich der Kaufkraft einer bestimmten Region mit dem nationalen oder internationalen Durchschnitt. Der Normwert für die Kaufkraft beträgt immer 100. Wenn der Kaufkraftindex einer Region zum Beispiel bei 110 liegt, bedeutet das, dass die Kaufkraft dieser Region 10 % über dem Durchschnitt liegt. Ein Kaufkraftindex von 90 würde bedeuten, dass die Kaufkraft der Region 10 % unter dem Durchschnitt liegt.

Du kannst den Kaufkraftindex einer bestimmten Region also auf folgende Weise interpretieren:

  • Kaufkraftindex > 100: Die Kaufkraft der Region liegt über dem nationalen Durchschnitt
  • Kaufkraftindex = 100: Die Kaufkraft der Region entspricht dem nationalen Durchschnitt
  • Kaufkraftindex < Die Kaufkraft der Region liegt unter dem nationalen Durchschnitt

Kaufkraftindex Deutschland

Der Kaufkraftindex für Deutschland wird jährlich vom Marktforschungsunternehmen GfK veröffentlicht. Die Studie stellt die regionale Verteilung der Kaufkraft in Deutschland dar, basierend auf dem nominal verfügbaren Nettoeinkommen der Bevölkerung. Mit inbegriffen sind zudem Transferleistungen wie Renten, Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld. In den letzten Jahren ist die Kaufkraft in Deutschland stetig angestiegen. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede: Mit knapp 9 % über dem Landesdurchschnitt ist Bayern zum Beispiel das kaufkraftstärkste Bundesland, während die Kaufkraft von Mecklenburg-Vorpommern nicht einmal 88 % des Durchschnitts erreicht (Stand: 2022).

Wie berechnet sich die Kaufkraft?

Die Kaufkraft des Geldes kann mit dem Preisniveau berechnet werden. Dieses gibt an, wie viele Geldeinheiten in einem Staat für einen Warenkorb mit ausgewählten Gütern anfallen. Allgemein gilt: Wenn das Preisniveau sinkt, dann steigt die Kaufkraft. Wenn dagegen das Preisniveau steigt, dann fällt die Kaufkraft. Es gilt die folgende Formel:Kaufkraft = 1 : Preisniveau. Das aktuelle Preisniveau berechnest du mit dieser Formel: (Altes Preisniveau : Neues Preisniveau x 100) − 100. Wenn das Preisniveau zum Beispiel innerhalb eines bestimmten Zeitraums um 10 % steigt, dann sinkt die Kaufkraft um 9,1 % auf 90,9 %. Die Entwicklung der Kaufkraft hängt also immer direkt vom Preisniveau bzw. der Inflationsrate ab.

Was ist verfügbares Haushaltseinkommen?

Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte bezeichnet sämtliches Einkommen, das einem Haushalt für Konsum, Sparen oder Investitionen zur Verfügung steht. Im Volksmund wird das verfügbare Einkommen einer Person allerdings auch oft als Kaufkraft bezeichnet. Dein verfügbares Einkommen berechnet sich aus dem Nettoeinkommen aus deiner beruflichen und/oder selbstständigen Tätigkeit und all deinen zusätzlichen Einnahmen, z. B. Mieteinkünfte, Zinsen, Kostenrückerstattungen von Nebenkostenabrechnungen, oder auch Erlöse von Verkäufen. Wenn du zum Beispiel dein Rennrad verkaufst, dann zählt das Geld, das du dafür bekommst, ebenfalls zu deinem verfügbaren Einkommen. Du siehst also, die Kaufkraft eines Haushalts hängt vom verfügbaren Einkommen ab. Denn nur dieses Geld kann auch tatsächlich ausgegeben werden.

Was bedeutet Kaufkraft pro Person?

Um die Kaufkraft je Einwohner in Deutschland zu berechnen, betrachtet man zuerst das Einkommen des Haushalts. Dieses ergibt sich aus dem Einkommen aus der Erwerbstätigkeit (also Lohn, Gehalt oder Rente) und allen anderen Einkünften, wie beispielsweise staatlichen Leistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, BAföG oder Kindergeld, oder Einkünften aus Zinsen oder Vermietungen. Alle diese Einkünfte, die der Person in einem bestimmten Zeitraum zur Verfügung stehen, werden dann addiert. Danach werden sämtliche Zahlungsverpflichtungen (z. B.  Steuern, Miete, Lebenshaltungskosten, usw.) abgezogen. Was nach dieser Rechnung übrig bleibt, ist die Kaufkraft dieser Person. Man bezeichnet das als Kaufkraft pro Kopf oder Kaufkraft pro Person. 

Wie viel Kaufkraft hat ein Mensch?

Die Kaufkraft eines einzelnen Menschen hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Je nach Wohnort kann sie stark variieren. Du kannst allerdings anhand der Kaufkraftsumme eines gesamten Landes bzw. einer Region berechnen, wie hoch die durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft in diesem Land oder dieser Region ist. Laut GfK standen den Deutschen 2021 im Schnitt 23.637 € pro Kopf für Wohnen, Freizeit und Sparen zur Verfügung. Im Landkreis Starnberg, der kaufkraftstärksten Region Deutschlands, liegt die Kaufkraft ganze 41 % über dem Bundesdurchschnitt, was einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 33.363 € entspricht.

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