Warum fällt uns die Verwaltung unserer Finanzen so schwer?

Es ist nicht immer einfach, die eigenen Finanzen zu verwalten. Hier erfährst du, wie du das am besten machst.

Lesezeit: 4 Min.

Wie viele können tatsächlich von sich behaupten, die eigenen Finanzen vollkommen unter Kontrolle zu haben? Die Meisten haben tatsächlich mehrere Konten, in denen sie ihr Geld unterbringen: Zum Beispiel ein Hauptkonto für alltägliche Ausgaben, wie Lebensmittel oder Kleidung. Dazu noch ein Nebenkonto, das mehr oder weniger als Reserve für große Anschaffungen dient – etwa für größere Reisen oder Sparziele.

Das Phänomen der mentalen Buchführung

Ökonomen und Psychologen nennen dieses Prinzip mentale Buchführung. Heißt: die völlig subjektive kognitive Organisation deines Geldes in verschiedene „Konten“. So behandelt dein Gehirn – bewusst oder unbewusst – dein Geld je nach Quelle oder geplantem Verwendungszweck unterschiedlich.Du könntest ein Konto für Restaurant- oder Konzertbesuche, eines für die Miete oder für ein teures Hobby haben.

Die Ursprünge des Begriffs mentale Buchführung

„Menschen haben oft Schwierigkeiten damit, ihre Ausgaben balanciert zu verwalten; es fällt ihnen schwer, für den Ruhestand anzusparen – stattdessen geben sie ihr Geld für Essen, Drinks oder Hightech-Fernsehgeräte aus. Also mehr wie Homer Simpson als Mr. Spock.“

Der Begriff „Mental Accounting“ wurde erstmals 1999 in einer wegweisenden Studie des Verhaltensökonomen Richard Thaler eingeführt. Er arbeitete daran, die Psychologie hinter dem Konsumverhalten von Verbrauchern besser zu verstehen. In seinem berühmten Experiment befragte er eine Gruppe von Personen über einen Kinobesuch:

Stell dir vor, du hast dich für einen Film entschieden und 10 € für die Eintrittskarte bezahlt. Beim Betreten des Kinos stellst du fest, dass du die Eintrittskarte verloren hast. Der Sitzplatz wurde nicht reserviert und die Eintrittskarte kann nicht neu gelöst werden. Würdest du 10 € für eine neue Eintrittskarte bezahlen?

Nur etwa 46 % der Befragten gaben an, dies zu tun. Aber als Thaler die Frage neu formulierte, war das Ergebnis ganz anders.

Stell dir vor, du möchtest einen Film sehen, bei dem die Eintrittskarte 10 € kostet. An der Kinokasse stellst du fest, dass du einen 10-Euro-Schein verloren hast. Würdest du immer noch 10 € für die Eintrittskarte bezahlen?

Satte 88 % gaben an, eine Eintrittskarte zu kaufen.

Objektiv gesehen sind diese beiden Situationen genau die gleichen: Du hast 10 € verloren, ohne den Film zu sehen.

Aber so organisieren wir Kosten nicht.

Thaler stellte schnell eine Theorie auf: Wir unterteilen unsere Ausgaben in verschiedene Budgets, die jeweils einen Bedarf oder einen Kaufwunsch abdecken.

Im ersten Fall hast du dein Filmbudget schon ausgegeben – es kommt also nicht in Frage, 20 € für einen Film auszugeben. Aber im zweiten Fall werden die 10 € als allgemeine Kosten abgeschrieben. Du hast das Geld nicht für den Film ausgegeben – du hast es einfach verloren. 

Wir treffen keine logischen finanziellen Entscheidungen

Das mag ziemlich unlogisch erscheinen, aber das ist der Punkt: Wir treffen keine logischen finanziellen Entscheidungen. Die logische Wahl in beiden Fällen wäre gewesen: den Kopf hängen lassen, nach Hause gehen und fernsehen. Dabei hättest du eingesehen, dass du das Geld verloren hast, das für die Eintrittskarte vorgesehen war.

Das setzt voraus, dass wir absolute Kontrolle über unsere aktuelle und potenzielle Kaufkraft haben. Verhaltensökonomen haben schnell erkannt, dass dies nicht der Fall ist. Wir treffen oft sachgebundene (individuelle) finanzielle Entscheidungen.

Es gibt zum Beispiel eine Studie von Kahneman und Tversky, die Thaler in seiner Arbeit von 1999 zitiert hat. Sie fragten die Leute, ob sie 20 Minuten durch die Stadt fahren würden, um 5 € für einen Taschenrechner im Wert von 15 € auszugeben, oder lieber um 5 € für eine 125 € teure Jacke zu sparen. Komischerweise sagten viel mehr Leute, sie würden eher für den Taschenrechner durch die Stadt fahren als für die Jacke.

Den Grund für diese Verhaltensweise nennt man Framing. Wir betrachten Einkäufe im Grunde nicht über die gesamte Zeit, sondern fallweise.

Die 5 €, die bei einem Kauf von 125 € gespart werden, sind vergleichsweise ein Taschengeld. Dies zeigt, dass wir uns bei unseren Entscheidungen nicht auf absolute Werte stützen, sondern auf Vergleichswerte.

Das führt auch dazu, dass du im Urlaub oder auf Geschäftsreisen in teuren Städten eher Geld ausgibst. Welchen Unterschied machen ein paar zusätzliche Euro oder Dollar, wenn du schon seit Monaten für den Trip gespart hast?

Wir tendieren dazu, jede Transaktion danach zu bemessen, wie viel wir für das bezahlte Geld bekommen. Und darum sieht der Taschenrechner so aus, als wäre er das bessere Geschäft. 

Eine weitere Studie von Thaler verdeutlicht dies auf perfekte Weise. Er fragte Menschen, wofür sie mehr ausgeben würden: für ein Bier aus einem nahegelegenen Luxushotel oder eines aus einem Strandkiosk. Nicht erstaunt hat die Antwort, dass die Leute bereit waren, für das Bier aus dem Hotel mehr zu bezahlen als für das aus dem Kiosk. Dasselbe Ergebnis, verschiedene Kontexte.

Was sagt das darüber aus, wie wir Geld ausgeben?

Eines sollten wir bei all diesen Analysen nicht vergessen: Jeder Mensch ist anders. Und das ist der springende Punkt.

Wenn du die Psychologie hinter der mentalen Buchführung verstanden hast, dann kannst du jederzeit bewusste Entscheidungen treffen. Stell dir die Fragen: “Kaufe ich etwas, weil ich es wirklich will? Oder mache ich mir etwas vor, indem ich diesem Kauf künstlich einen höheren Wert beimesse?”

Wir alle verprassen ab und zu etwas Geld oder machen Spontankäufe. Eine Möglichkeit, weniger auszugeben, besteht darin, sich selbst Zugang zu weniger Geld zu gewähren. Wenn du ein zweites Konto einrichtest und einen bestimmten monatlichen Geldbetrag für spontane Käufe festlegst, kannst du trotzdem langfristig den Überblick behalten.

Finde für dich selbst einfach die Richtige Mischung aus einer gesunden Portion praktischem Denken sowie einem angemessenen Spielraum.

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Von N26

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