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Frau und Geld: Warum es für Frauen schwieriger ist, finanziell unabhängiger zu werden

Von finanzieller Unabhängigkeit träumen wohl alle. Nicht für alle ist sie leicht zu erreichen, so ist diese insbesondere für Frauen häufig in weiter Ferne. Warum eigentlich und was tun?

Lesezeit: 7 Min.

Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich viel in Sachen Frauenrechte und finanzieller Unabhängigkeit getan. Während im Jahr 1911 noch nicht an ein eigenes Konto und selbstverwaltete Finanzen zu denken war, haben heutzutage mehr als 95 % der Frauen in Deutschland ihr eigenes Konto. Zudem beschäftigen sich immer mehr Frauen mit den Themen Vermögensaufbau, Aktien, ETF-Sparplänen und anderen Finanzprodukten. 

Trotzdem gelingt es vielen Frauen auch in der heutigen Zeit noch nicht, 100 % finanziell unabhängig zu werden und rutschen durch niedrige Renten im hohen Alter häufig in die Altersarmut. Warum Frauen es mit der finanziellen Unabhängigkeit immer noch schwer haben und welche historischen Hintergründe das hat, erfährst du in diesem Artikel.

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Geschichte: Finanzielle Ungleichheit zwischen Frau und Mann

Finanzielle Unabhängigkeit ist ein wichtiger Faktor, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Im Laufe der Geschichte blieb es den meisten Frauen allerdings verwehrt, über die finanziellen Mittel im Haushalt mitzuentscheiden, geschweige denn eigenes Geld zu verdienen. Lange Zeit brachte nur der Mann das Geld nach Hause, während die Frau für die Kindererziehung und häusliche Pflichten verantwortlich war. Durch die jahrhundertelange Unterdrückung der Frau war diese von der Gunst und den Finanzen ihres Partners abhängig undmusste so also häufig in der bestehenden Ehe bleiben, um finanziell abgesichert zu sein. 

Dieses Muster zeigt sich auch heute noch in vielen traditionellen Familien-Konstrukten, in denen der Mann primär das Einkommen nach Hause bringt und die Frau die Kinder großzieht. Da Frauen, die Haushalt und Kinder übernehmen, in diesen Jahren nicht in die Rentenkasse einzahlen können, fällt ihre spätere Rente daher dementsprechend kleiner aus. Im Fall einer Scheidung kann es daher gut sein, dass Frauen mit großer Wahrscheinlichkeit in die Altersarmut rutschen.

Frauenrechte gegen finanzielle Ungleichheit

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden Frauen mehr und mehr Rechte zugesprochen, die sie von ihrem Ehemann unabhängiger machten und ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen sollten.

Im Jahre 1918 bekamen Frauen erstmals das Recht zu wählen und konnten so das politische Geschehen im Land mitbeeinflussen. Mit dem Wahlrecht begann sich aber auch die männliche Vormundschaft zu lockern, wodurch Frauen wichtige Entscheidungen jetzt auch ohne Rücksprache mit dem Ehepartner treffen durften. Im Zuge des Wahlrechts zogen 1920 zudem 111 Frauen in das Parlament des Reichstags ein, die in den darauffolgenden Jahren für mehr Frauenrechte, wie beispielsweise den Mindestlohn oder eine Sozialversicherung für heimarbeitende Frauen, sorgten.

Der wohl wichtigste Meilenstein für die soziale, und so auch im besten Falle finanzielle Gleichheit wurde 1949 gelegt: die Gleichstellung von Mann und Frau im Grundgesetz. Allerdings trat das Gleichstellungsgesetz erst knapp 10 Jahre später (1958) in Kraft, welches den alleinigen Letztentscheid von Männern über Vermögensfragen aufhob. Somit konnten Frauen jetzt selbstbestimmt ein eigenes Konto eröffnen und ihr eigenes Geld verwalten. 

Aber leider konnten Frauen auch zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht eigenständig einem Beruf nachgehen und eigenes Geld verdienen, da dies immer noch die Zustimmung des Ehemanns bedurfte.

Erst mit dem Gesetz zur Reform von Ehe- und Familienrecht konnten Frauen endlich selbstbestimmt Berufen nachgehen und ihr Einkommen verwalten. Um Frauen auch am Arbeitsplatz vor Ungleichbehandlung zu schützen, wurde 1980 zudem das Gesetz zur Gleichstellung am Arbeitsplatz im BGB verankert. Dies sieht, im Idealfall, das Recht auf gleiches Einkommen für den gleichen Beruf zwischen Mann und Frau vor – ein bis heute schwieriges Unterfangen.

So entsteht finanzielle Ungleichheit heute

Von den Rollenmustern des letzten Jahrhunderts geprägt herrscht auch heutzutage noch viel finanzielle Ungleichheit, sowohl innerhalb von Beziehungen als auch in der Gesellschaft. Denn häufig ist Geld immer noch reine “Männersache” in konservativeren Familien-Modellen, was für Frauen im Alter zu einer Vielzahl Probleme führen kann. Aber auch andere, gesellschaftliche Faktoren spielen eine große Rolle bei der finanziellen Ungleichheit zwischen Frauen und Männern.

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap (dt. Geschlechtsspezifisches Lohngefälle) beschreibt den vom Geschlecht abhängigen Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. In der Arbeitswelt bedeutet dies häufig, dass Frauen für die gleiche Tätigkeit geringer entlohnt, und so eben auch weniger Geld zur Verfügung haben. Im Jahr 2020 verdienten Frauen beispielsweise rund 18 % weniger pro Stunde in Deutschland als Männer in gleicher Position. Der Gender Pay Gap bildet meist die Grundlage für Lebensumstände wie Altersarmut oder finanzieller Abhängigkeit vom Partner.

Gender Investment Gap

Von allen im Jahr 2021 getätigten Investitionen in Aktien, ETFs oder Fonds waren nur ein Drittel Frauen. Diese Diskrepanz zwischen Männern und Frauen bei Investitionen mit erwarteter Wertentwicklung spricht man vom Gender Investment Gap (dt. Geschlechtsspezifische Investitionslücke). Generell gelten Frauen als weniger risikobereit, was zu einer geringeren Investitionsbereitschaft führen kann. Aber auch der Gender Pay Gap trägt seinen Teil dazu bei, da für Frauen mit weniger Gehalt auch weniger Raum für Investitionen bleibt. Von welchen berühmten Investorinnen sich Frauen (aber auch Männer) schon jetzt inspirieren lassen können, liest du hier.

Gender Wealth Gap

Faktoren wie der Gender Pay und Investment Gap führen unmittelbar dazu, dass sowohl Einkommen als auch das Vermögen zwischen den Geschlechtern sehr ungleich verteilt sind. Dies führt zum sogenannten Gender Wealth Gap (dt. Geschlechtsspezifische Vermögenslücke). Junge Mädchen und Frauen leisten täglich 12,5 Milliarden unbezahlte Arbeit – meist in der Pflege von Angehörigen oder im gemeinsamen Haushalt. In dieser Zeit ist es Frauen beinahe unmöglich, noch eigenes Geld zu verdienen und so ein eigenes Vermögen aufzubauen. 

Aber auch das bei Frauen meist geringere Gehalt für gleiche Arbeit spielt eine große Rolle bei der Entwicklung der Gender Wealth Gap.

Gender Pension Gap

Die Folgen der ungleichen Verteilung von Gehalt und Vermögen macht sich bei Frauen dagegen meist erst so richtig im hohen Alter bemerkbar. Durch eine weitaus geringere oder kürzere Einzahlung in Rentenkassen und zu späten bis keinen Vermögensaufbau fällt die Pension oft sehr viel magerer aus als bei Männern. Die Gender Pension Gap (dt. Geschlechtsspezifische Pensionslücke) ist ein großes Problem, da es für viele Frauen Altersarmut bedeutet. 18,2 % der über 65-jährigen Frauen in Deutschland litten 2019 unter Altersarmut und hatten im Durchschnitt nur 1.176 € Einkommen im Monat zur Verfügung.

Finanzielle Ungleichheit im Europa-Vergleich

Aber nicht nur in Deutschland ist finanzielle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ein Problem. Der Gender Pay-, Wealth- und Pension Gap ist auch in anderen europäischen Staaten ein großes Problem – insbesondere in ärmeren Ländern.

Ursachen finanzieller Ungleichheit in Europa 

Durchschnittlich bekommen Frauen in Europa zur Zeit 14, 1 % weniger pro Stunde für die gleiche Tätigkeit als ihre männlichen Kollegen. Die Gründe dafür sind vielzählig und haben sowohl gesellschaftliche als auch historische Ursprünge. Ungefähr 24 % des Gender Pay Gaps können mit einer Überrepräsentation von Frauen in verhältnismäßig geringer bezahlten Branchen in Verbindung gebracht werden, meist im Pflege-, Gesundheits- oder Bildungssektor. Aber auch die extrem ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeitsstunden zwischen Männern und Frauen spielt eine große Rolle. Denn egal ob im Haushalt oder bei Elternzeit – meist bleibt diese Arbeit aufgrund alter Traditionen und gesellschaftlicher Erwartungen an der Frau hängen.

Aber auch Frauen in besser bezahlten Branchen leiden häufig unter finanzieller Ungerechtigkeit. Ein Grund dafür ist beispielsweise die sogenannte “Glass Ceiling” (dt. Gläserne Decke). Dieses Phänomen beschreibt eine unsichtbare Barriere, die Frauen am beruflichen Aufstieg hindert und ihnen so bessere Gehälter und machtvollere Positionen verwehrt. Einer von vielen Gründen, warum Frauen in der EU nur 8 % aller CEO-Positionen ausmachen.

Neben der gläsernen Decke ist aber besonders die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen eine der Hauptursachen für finanzielle Ungleichheit – und das, obwohl das Recht auf gleiche Bezahlung seit 1957 ein wichtiger Bestandteil des Vertrages der Europäischen Union ist.

Finanzielle Ungleichheit: Welche EU-Staaten sind am stärksten betroffen?

Die Europäische Union zählt zu den wirtschaftsstärksten und fortschrittlichsten Regionen der Erde. Aber auch hier gibt es starke Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten wenn es ums Thema Gender Pay Gap geht – mit teilweise überraschenden Ergebnissen.

Der geringste Unterschied beim Gehalt zwischen Männern und Frauen findet sich mit unter 5 % in Luxemburg, Italien und Rumänien. Eine Kluft von 15-19 % findet sich dabei in Ländern wie Deutschland, Österreich, Lettland und Estland. 

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Disclaimer: Von den Autorinnen erwähnte Aktien, ETFs und Fonds sind immer mit Risiken behaftet. Alle Texte sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information sowie der Wissensbildung und geben ausschließlich die Meinung der Autorinnen wieder. Es wird auch keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Eine Haftung für die Richtigkeit kann nicht übernommen werden. Sollten die LeserInnen sich die angebotenen Inhalte zu eigen machen oder etwaige Überlegungen oder Hinweise umsetzen, so handeln sie auf eigenes Risiko.

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