Der Berufseinstieg nach dem Studium – DOs und DON'Ts

Lesezeit: 8 Min.

Prüfungen, Bachelorarbeit und Studentenwohnheim liegen hinter dir? Glückwunsch! Und nun? Jetzt geht es darum, einen Job zu finden, bei dem du dein ganzes Wissen sinnvoll einsetzen kannst. Wenn es um die erste Stelle nach dem Studium geht, fühlen sich viele jedoch zunächst überfordert. Deshalb haben wir einen Ratgeber mit Tipps für die Bewerbung, das Vorstellungsgespräch und den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben für dich zusammengestellt.

Tipps für die Bewerbung

DO: Mut zur Lücke 

Nirgendwo steht geschrieben, dass du dich sofort nach dem Abschluss ins Berufsleben stürzen musst. Nach mehreren Jahren Studium oder Ausbildung darfst du dir guten Gewissens eine Auszeit nehmen. Deine erste Anstellung nach dem Abschluss ist ein radikaler Neustart. Für diesen großen Schritt solltest du vorab entspannen, um den Kopf freizubekommen.

Die Statistiken sprechen für dich: Einem erst kürzlich veröffentlichten EU-Bericht zufolge lag die durchschnittliche Einstellungsquote bei UniversitätsabsolventInnen zwischen 20 und 34 in den vergangenen drei Jahren bei 83,2 %, wobei länderspezifisch deutliche Unterschiede festgestellt wurden. So lag die Einstellungsquote bei Absolventinnen und Absolventen in Deutschland bei bemerkenswerten 92,7 %, während sie in Italien mit nur 58,7 % deutlich schlechter ausfiel. Vor allem AbsolventInnen in Deutschland können sich also unbesorgt eine Auszeit nehmen und in aller Ruhe überlegen, wie es konkret weitergehen soll.

DON’T: Pausiere nicht zu lange

Laut einer Studie aus dem American Economic Review, für die mehr als 8.000 Bewerbungen auf 3.500 ausgeschriebene Stellen verschickt wurden, bewerten potenzielle Arbeitgeber eine dreimonatige Auszeit nicht negativ. Bei einer sechsmonatigen Pause sinken die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch allerdings deutlich. Und nach einem Jahr kann es sein, dass du schlimmstenfalls ziemlich lange suchen musst. Das ist aber natürlich nicht in jedem Land gleich – so wissen viele Unternehmen in Deutschland noch nicht so recht, was sie vom sogenannten Gap Year halten sollen – besonders, wenn man daraus keine nennenswerten Qualifikationen für die ausgeschriebene Stelle mit sich bringt.

Die oben genannte Studie hat jedoch auch Folgendes ergeben: Wenn du deinen ersten Job nach dem Studium ergattert hast, spielt die Dauer der Auszeit bei der nächsten Bewerbung für viele Arbeitgeber keine Rolle mehr.

DO: Reiche eine überzeugende Bewerbung ein

Im Schnitt führen nur 10 % der Bewerbungen zu einem Vorstellungsgespräch. Mit anderen Worten: Deine Bewerbung ist deine Visitenkarte. Es spielt keine Rolle, ob du 10 Praktika absolviert oder dich während des Studiums ausschließlich aufs Lernen konzentriert hast – für eine Einladungen zum Vorstellungsgespräch ist eine aussagefähige Bewerbung entscheidend. Wenn du hier nachlässig bist, schießt du ein Eigentor. Hier ein paar Tipps:

  • Die maximale Wirkung erzielst du, wenn sich dein Lebenslauf auf eine einzige Seite beschränkt. In der Kürze liegt bekanntlich die Würze!

  • Führe im Abschnitt “Ausbildung” deine Schulausbildung und das Studium an, und zwar in umgekehrter chronologischer Reihenfolge (d. h. 2021 vor 2020), damit die aktuellsten Angaben an oberster Stelle stehen.

  • Sprich nicht von dir in der dritten Person (z. B. „Hochschulabsolventin sucht Anstellung im Bereich digitale Kommunikation”). Das wirkt umständlich und unpersönlich.

  • Verzichte auf Fachjargon und Schlagwörter. Benutze eine klare, einfache Sprache und belege lieber anhand praktischer Erfahrung, wie gut du Probleme lösen kannst, anstatt das nur von dir zu behaupten.

  • Wähle eine einfache Formatierung (verwende Überschriften, hebe Daten und wichtige Aussagen fett hervor, benutze eine klassische Schriftart wie Helvetica) und achte auf Abstände zwischen den Abschnitten – das erleichtert die Lektüre.

  • Deine Kontaktdaten wie Telefonnummer und E-Mail-Adresse gehören oben auf den Lebenslauf, damit ein potenzieller Arbeitgeber nicht erst danach suchen muss. 

  • Freiberufliche Arbeit, Blogging, und Gig Economy-Jobs zählen als Arbeitserfahrung – du solltest sie also auch angeben.

  • Wenn du noch keine Arbeitserfahrung hast, konzentriere dich auf die übertragbaren Kenntnisse, die du im Rahmen relevanter akademischer Projekte an der Universität erworben hast. 

  • Schulische Leistungen solltest du hingegen besser nicht erwähnen, es sei denn, sie sind wirklich beeindruckend und außergewöhnlich. Dass du „Klassensprecher” warst, wird eine Personalchefin kaum beeindrucken.

  • Denk immer daran, dass man bis zur Anstellung im Durchschnitt 30 bis 50 Bewerbungen verschicken muss. Bedenke auch, dass selbst bei erfolgreicher Bewerbung der Prozess von der Bewerbung bis zum Jobangebot einige Wochen dauern kann. Hier ist Durchhaltevermögen gefragt!

DON’T: Bitte keine Standard-Bewerbungen!

Ein aussagekräftiger Lebenslauf und ein überzeugendes Anschreiben bringen wenig, wenn du sie an die falsche Person adressierst oder nur Standardfloskeln nutzt. Bei deinem Berufseinstieg nach dem Studium musst du bei einer fremden Person einen positiven Eindruck hinterlassen. Personalchefs „überfliegen” Lebensläufe in durchschnittlich 6 bis 8 Sekunden. Sind deine Unterlagen zu allgemein gehalten und geht aus ihnen nicht gleich hervor, dass du dich mit dem Unternehmen und der Stelle befasst hast, könnte das schon ein Ausschlusskriterium sein.

DO: Du solltest über ein LinkedIn Profil verfügen

LinkedIn mag dir vorkommen wie der uncoole ältere Bruder anderer Social-Media-Plattformen, aber für die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch kann ein Profil wahre Wunder wirken. Erst kürzlich hat eine Studie belegt, dass 122 Millionen Arbeitsuchende über LinkedIn zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurden und 35,5 Millionen über die Vernetzung mit anderen LinkedIn Mitgliedern eine Stelle gefunden haben. Das heißt, dass durchschnittlich drei Personen pro Minute über LinkedIn einen Job finden.

DON’T: Patzer auf Social Media

Manche potenzielle Arbeitgeber nutzen soziale Medien wie Facebook, Instagram, Twitter oder TikTok, um sich ein Bild von einer Bewerberin oder einem Bewerber zu machen. Sofern deine Auftritte nicht absolut lupenrein sind, setze deine Konten lieber auf „privat” und entferne ggf. deine Tags auf den Party-Bildern deiner Freunde.

Das Vorstellungsgespräch

DO: Zeig dich von deiner besten Seite

Ein selbstbewusstes Auftreten kann man aus verschiedenen Quellen schöpfen: Absolutes Muss sind angemessene Kleidung, ein gepflegtes Äußeres, Pünktlichkeit, Hintergrundwissen über das Unternehmen und wohlüberlegte Antworten. Hier ein paar Tipps:

  • Leg dir dein Outfit für das Vorstellungsgespräch schon am Vortag zurecht und versuche dabei, den Kodex des Unternehmens zu berücksichtigen. Zerrissene Jeans mögen in einem Startup ok sein. Bei einer Unternehmensberatung wären sie fehl am Platze.

  • Lies dir die Website des Unternehmens durch und mach dir Notizen.

  • Geh im Vorfeld mit einem Freund ein paar Fragen durch, die in einem Bewerbungsgespräch gestellt werden könnten, und überlege dir passende Antworten.

  • Richte am besten gleich mehrere Alarmfunktion ein, die dich frühzeitig an den Termin erinnern. Komm lieber etwas früher an, damit du vor dem Gespräch noch einmal tief durchatmen kannst.

DON’T: Arroganz ist ein No-Go

Der Grat zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz ist manchmal sehr schmal. Du solltest dich nicht selbst beweihräuchern, nicht übertreiben und nicht auf persönlichen Erfolgen herumreiten. Rede nicht schlecht über andere – vor allem nicht über frühere Arbeitgeber – und versuche, in der Wir-Form zu sprechen anstatt in der Ich-Form. Teamplayer sind gefragt! Bei Gruppeninterviews brauchst du nicht dauernd die Initiative zu ergreifen – hier geht es vor allem darum, den Überblick zu behalten und souverän zu wirken. In der Ruhe liegt die Kraft.

DO: Stelle Fragen

Betrachte ein Vorstellungsgespräch als Unterhaltung und nicht als Verhör. Du bist nicht nur da, um Fragen zu beantworten, sondern auch, um welche zu stellen. Du solltest dir im Vorfeld eine Liste von Fragen zusammenstellen, um zu zeigen, dass du dich auf das Gespräch vorbereitet hast. Hier ein paar Beispiele:

  • Wie gestaltet sich meine Einarbeitung und welche beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten stehen mir offen? 

  • Wie sähe ein typischer Arbeitstag im Unternehmen aus?

  • Warum arbeiten Sie gerne hier?

  • Welche Ziele verfolgt das Unternehmen aktuell? Und längerfristig?

DON’T: Langatmige Ausführungen

Fasse dich bei deinen Antworten kurz und sei präzise. Bewerbungscoaches zufolge sollten deine Antworten auf grundlegende Fragen (z. B. „Warum haben Sie sich auf diese Stelle beworben?”) idealerweise zwischen 30 Sekunden und 2 Minuten lang sein. Bei Fragen, die etwas mehr in die Tiefe gehen (z. B. „Erzählen Sie uns von einem anspruchsvollen Projekt, an dem Sie mitgearbeitet haben”), dürfen es auch 3 bis 3,5 Minuten sein. Alles darüber hinaus ist zu lang und kann dazu führen, dass deine Gesprächspartner das Interesse verlieren und nicht mehr richtig zuhören.

Tipps für die Anstellung

DO: Glaube an dich

Wenn ein Unternehmen dich einstellen möchte, ist das ein Hinweis darauf, dass du an dich selbst glauben solltest. Viele BerufseinsteigerInnen zweifeln an sich: Das sogenannte Hochstapler-Syndrom ist weit verbreitet, es gibt auch einenn Wikipedia-Eintrag dazu. Halte dir allerdings vor Augen, dass du dich nicht schlecht fühlen musst, weil dir jemand etwas zutraut. Vergegenwärtige dir, dass du gut genug bist, habe den Mut, am Arbeitsplatz du selbst zu sein, und gehe Herausforderungen nicht aus dem Weg. Mit einem gelungenen Start stellst du die Weichen für ein erfolgreiches Berufsleben!

DON’T: Nicht zu früh zu hoch pokern

Bevor du in die Gehaltsverhandlungen eintrittst, solltest du dich über das Standartgehalt in der Branche informieren und berufstätige Freunde fragen, was sie in etwa verdienen. Du kannst dich natürlich auch online informieren. Auf diese Weise bekommst du eine realistische Gehaltsvorstellung und liegst nicht haushoch über der Norm oder weit darunter.

DO: Habe den Mut, zu kündigen

Der erste Job nach dem Studium ist für die Meisten nicht der letzte. KarriereberaterInnen zufolge sollten Berufseinsteiger eine Stelle jedoch nach Möglichkeite drei Jahre behalten. Zu kurze Zugehörigkeit zu einem Arbeitgeber können dir zum Verhängnis werden. Schließlich will ein potenzieller Arbeitgeber sicher sein, dass du sein Unternehmen nicht bereits nach kurzer Zeit wieder verlässt. Wenn du allerdings jeden Morgen schon mit einem mulmigen Gefühl in den Tag startest, solltest du dich möglichst bald nach einem Arbeitsplatz umsehen, der besser zu dir passt. Deine mentale Gesundheit geht immer vor! Versuche in der Zwischenzeit, das Beste aus der Situation zu machen. Und wenn sich dann etwas Besseres ergibt, wechsle den Job und schau nach vorn.

DON’T: Wechsle den Job nicht wie die Unterwäsche

Den Job wechseln, weil man sich am aktuellen Arbeitsplatz einfach nicht wohl fühlt? Absolut legitim. Aber von einem Unternehmen zum anderen sprinten wie beim Staffellauf? Keine gute Idee! Bei der Jobsuche unmittelbar nach dem Studium solltest du versuchen eine Stelle zu finden, bei der du deine Kompetenzen in der Praxis ausbauen kannst. Wenn du alle zwei, drei Monate den Job wechselst, kann sich das in deinem Lebenslauf und in deinem beruflichen Werdegang negativ auswirken. Wer Karrierecoaches zufolge 2-3 Mal hintereinander nach 6 Monaten den Job wechselt, hat sehr schlechte Karten beim nächsten Vorstellungsgespräch.


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Von N26

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