CEO Blog: Die Chancen der Digitalisierung nutzen!

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Die Finanzwirtschaft befindet sich in einem massiven Wandel - in den letzten 10 Jahren hat sich alles verändert, von der Filiale zum Smartphone, aus dem Rechenzentrum in die Cloud und statt saftigen Zinsen ein lang anhaltendes Niedrigzinsumfeld. Das Ergebnis, viele Vorteile für die Kunden: Bessere und einfachere Produkte, zu niedrigeren Kosten und eine riesige Chance durch die Veränderung, wenn wir schnell sind, aus Deutschland und Europa den Vorreiter in der globalen Finanzwirtschaft zu bauen.

Am Smartphone: Die Fähigkeit, Bankgeschäfte mit wenigen Klicks von jedem Ort der Welt aus erledigen zu können, war vor wenigen Jahren im besten Fall ein Gedankenspiel. Heute ist digitales Banking für Millionen von KundInnen Realität. Ein Smartphone verfügt heute über mehr Rechenleistung als ein Terminal in einer Filiale, ermöglicht es noch schneller und näher mit KundInnen zu kommunizieren und insbesondere die Sicherheit von Konten und Transaktionen zu erhöhen.

Im internationalen Vergleich steht Deutschland hier jedoch ganz am Anfang, nicht nur verglichen mit China und den USA, sondern auch im Vergleich zu anderen europäischen Staaten. Im Jahr 2020 haben die Deutschen zum ersten Mal mehr digital als mit Bargeld bezahlt. Deutschland holt hier also langsam auf, liegt aber noch weit zurück hinter anderen Vorreitern: Spitzenreiter Schweden ist mittlerweile ein nahezu bargeldloses Land, in dem 80% aller Zahlungen digital getätigt werden. Estland hat sich in den letzten Jahren zu einem der IT-Vorreiter in Europa entwickelt, mit einer komplett digital basierten Verwaltung.

In der Cloud: Die Bereitstellung großer Rechenzentren gehörte früher zu den Kernkompetenzen der Banken, heute sind sie irrelevant, hauptsächlich Kostentreiber. Die Cloud ermöglicht es, zu deutlich niedrigeren Kosten, mit deutlich besserem Service, einer höheren Skalierbarkeit und deutlich höheren Sicherheitsstandards zu operieren und ist, nicht nur in der Finanzbranche, heute nicht mehr wegzudenken. Diese Transformation ist real, es gibt sie nicht mehr, die in-house Rechenzentren der Zukunft. In einem stark regulierten Umfeld wie der Finanzwirtschaft bedeutet das aber auch eine große Herausforderung für den Regulator und Unternehmen. 

Planungssicherheit und ein einfacher regulatorischer Rahmen, der einfache verständliche Standards setzt, die den technologischen Fortschritt ermöglichen und nicht verhindern, sind hier notwendig. Wir sehen über die letzten Jahre einen immer größer werdende Lücke zwischen technischem Fortschritt und den geltenden regulatorischen Anforderungen. Die Überarbeitung der “Mindestanforderungen an das Risikomanagement” (MaRisk) durch die Aufsichtsbehörde Bafin ist hier ein erster Schritt, aber es wird noch mehr Anstrengungen benötigen. Einige konkrete Beispiele dazu: 

  1. Neue Regularien werden zuerst auf Deutsch publiziert und erst später auf Englisch übersetzt - grundsätzlich sollten englische Veröffentlichungen der Standard sein. 

  2. Die Cloud bringt Sicherheit, die keine Bank mehr vorhalten muss. Die Prüfung bezieht sich oft genug auf ältere Technologien vor dem Existieren der Cloud. Prüfungsstandards müssen daher auf neue Technologien schneller angepasst werden, um nicht unnötigen Aufwand zu kreieren und trotzdem Risiken zu minimieren. 

  3. Neue Cloud-basierte Werkzeuge wie Jira werden nicht oder nur widerwillig als Ersatz für die schriftlich fixierte Ordnung akzeptiert. Weltweit werden diese Werkzeuge aus der Confluence-Suite in der Steuerung komplexer Entwicklungs- und Produktionsprozesse auch in hoch regulierten Industrien wie beispielsweise Pharma genutzt. Warum es am Finanzplatz Deutschland nicht möglich sein soll, erschließt sich auch auf den zweiten Blick nicht.

Wir dürfen die Chancen nicht vergessen - insbesondere für unsere Kunden, die einen besseren Service zu viel niedrigeren Kosten bekommen. Wenn wir hier gemeinsam mit dem Regulator als Pioniere in Deutschland und der EU voran gehen, schafft das Standortvorteile. 

Zahlen für unser Geld: Anstatt für Einlagen Zinsen zu erhalten, bezahlen wir heute für unser Geld. Anfangs hat man sich noch gewehrt die Realität anzuerkennen, es war nicht logisch, dass unser Geld weniger Wert wird, wenn es auf dem Konto liegt. Besonders bei höheren Einlagesummen ist aber genau das Realität geworden. Das führt dazu, dass die Finanzwirtschaft umdenken muss: von Interest Spreads und Interest Income zu nachhaltigen Serviceleistungen, die die Kunden wertschätzen und die andere Wege der Monetarisierungen ermöglichen. Ohne eine effiziente Kostenstruktur und eine länderübergreifende Reichweite ist heute nachhaltiges Retail-Banking nicht mehr möglich. Nur durch die Skalierung von Geschäftsmodellen sind heute die Investitionen in das eigene Team, führende Technologie und modernste Produkte finanzierbar. Eine Bank, die eine Technologieplattform und App für eine Region mit 500.000 Einwohnern entwickelt, gibt es heute nicht mehr. Nur wer über die Ländergrenzen denkt wird diese Herausforderungen auch langfristig erfolgreich meistern können. 

Das ist die Realität, kein Zukunfts Konstrukt, wir sind heute dort schon angekommen und wenn wir nicht mutig handeln, werden es andere tun. Daraus ergibt sich für die Politik und die Finanzbranche großen Handlungsbedarf, vor allem in zwei Bereichen:

Erstens - der Finanzmarkt in der Europäischen Union muss weiter harmonisiert und existierende Standards konsequenter durchgesetzt werden. Der hohe Grad an Fragmentierung in nationale Vorschriften innerhalb der EU legt der grenzüberschreitenden Finanzbranche Steine in den Weg. Eine Harmonisierung der Regeln und deren Durchsetzung im europäischen Binnenmarkt ist daher wichtig, um die Europäische Union von innen heraus zu stärken und im internationalen Wettbewerb Schritt halten zu können.

Zweitens - die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, die für den Finanzsektor oberste Priorität hat und mit umfangreichen Investitionen in zusätzliches Personal und modernste Technik von allen Akteuren vorangetrieben wird. Bis heute unterscheiden sich die Methoden zur Kundenidentifikation und -verifikation innerhalb der EU deutlich. Durch EU-weite, einheitliche Identifizierungs- und Sicherheitsstandards kann Betrug entschiedener entgegengetreten werden. Eine europäische Geldwäschebehörde und eine zentrale Sicherheitsbehörde, könnten dabei zentrale Akteure sein. 

Die Welt, in der sich KundInnen heute bewegen, ist digital. Vom wöchentlichen Großeinkauf über Taxivorbestellung bis zum Abschluss von Versicherungen - unser Alltag ist digital. Die Finanzwirtschaft leistet hier einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung und hat riesige Chancen, wir müssen sie nur nutzen! 

Von N26

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