Complaint Management & Prevention Associate Regine von Kleist.

Complaint Management & Prevention Associate Regine von Kleist erzählt, wie sie ihre Studienerfahrung täglich nutzt

Es ist herausfordernd, Beschwerden zu bearbeiten, sowie als Frau an einer fast ausschließlich mit Männern besetzten Wirtschaftsfakultät zu studieren. Lies hier ihren Karriereweg und Rat an Studierende

Lesezeit: 6 Min.

Als Regine von Kleist in den späten 80ern an die Universität kam, war sie eine der wenigen Frauen, die einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften machte, und sie musste sich schnell in ihre neue Umgebung einfinden. “In jedem Kurs saßen ca. 600 Studenten. Also gewöhnte ich mich schnell daran, selbstständig zu lernen. Das war eine gute Vorbereitung auf meine Arbeit von heute – vor allem, wenn es darum geht, für etwas Verantwortung zu übernehmen und knifflige Probleme zu lösen. Das hat mir wirklich Spaß gemacht.“ Regine belegte die Fächer Wirtschaftswissenschaften und internationale Entwicklung an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Nach einigen Umzügen mit ihrer Familie zwischen den USA und Deutschland kletterte sie bei N26 die Karriereleiter hoch und ist jetzt Complaint Management & Prevention Associate. Wir haben uns mit ihr zusammengesetzt, um mit ihr darüber zu reden, was sie in ihrem Studium gelernt hat und wie sie diese Kenntnisse heute in ihrer aktuellen Funktion nutzt. Dieses Interview wurde ins Deutsche übersetzt und für eine bessere Lesbarkeit bearbeitet und gekürzt. 

Kannst du uns zuerst ein wenig über dich selbst erzählen?

Ich heiße Regine und bin aus Freiburg, einer schönen Stadt am Rande des  Schwarzwalds. Nachdem ich mein Abitur abgeschlossen hatte, verbrachte ich ein Jahr in London um dort meine Englischkenntnisse zu vertiefen. Danach kam ich zurück nach Freiburg um dort Volkswirtschaftslehre zu studieren, wofür die Albert-Ludwigs-Universität sehr bekannt war. 

Das was aber nicht immer mein Ziel. Als ich jünger war, wollte ich Menschen helfen, also stellte ich mir vor, Ärztin zu werden. Das dauert aber sehr lange und ich kam zu dem Schluss, dass ich meine Zeit lieber in ein Wirtschaftsstudium investiere. Als ich ganz klein war, wollte ich unbedingt Ballerina werden. Mit 12 Jahren war ich allerdings bereits 1,78 m groß. Das konnte ich also vergessen, aber Tanz und Ballett waren meine große Leidenschaft – und sind es bis heute! Als ich in den USA lebte, machte ich tatsächlich eine Ausbildung zur Aerobic-Lehrerin und zum Personal Trainer.

Du hast deinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg gemacht. Kannst du uns ein wenig mehr von deiner Zeit dort erzählen?

Aber natürlich. Als ich damals 1989 mein Studium begann, war die Universität bekannt für ihren Wirtschaftszweig. Mir hat das wirklich Spaß gemacht. Ich interessiere mich sehr für die politischen Aspekte in der Wirtschaft – mein Vater war Staatsanwalt, also war es für mich eine wirklich schöne Kombination aus Statistik, Mathematik, Jura und sogar ein wenig Programmieren, das damals in den Kinderschuhen steckte. Bis ich 1992 mein Vordiplom machte, das Äquivalent zum heutigen Bachelor-Abschluss, lebte ich in Freiburg. 

Es war sehr anstrengend – ich musste 14 Prüfungen bestehen. Aber das hat mir auch sehr gut gefallen, denn so viel von dem, was ich damals gelernt habe, nehme ich bis heute mit – insbesondere logisches und kritisches Denken. 

Studierten damals viele Frauen in Deutschland Wirtschaftswissenschaften?

Überhaupt nicht. Das war eine Männerdomäne. Als ich studentische Hilfskraft für den Professor für Mikroökonomie wurde, war ich besonders stolz. Es waren etwa 30 männliche Kommilitonen und ich im Zimmer – und ich bekam den Job.  

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits meinen damaligen Mann kennengelernt, der gerade seine Dissertation in Wirtschaftswissenschaften beendet hatte und auf dem Weg nach Bonn war, um für das Bundesministerium für Finanzen zu arbeiten. Also entschloss ich mich, nach Bonn umzuziehen. Während meines Studiums habe ich dort auch zwei Jahre lang für das Bundesministerium der Justiz gearbeitet. Leider habe ich nie meinen Masterabschluss machen können. In meinem letzten Studienjahr, im selben Jahr als ich nach Washington DC zog, hat die Universität Bonn vom Diplom-System auf das Master-System umgestellt. Im letzten Semester konnte ich daher keine Prüfungen mehr ablegen, obwohl mir nur noch eine fehlte. 

Das muss sehr frustrierend gewesen sein ...

Ja, das war wirklich schlechtes Timing. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte mein damaliger Mann einen Posten im deutschen Büro der Bundesregierung beim IWF in Washington D.C. bekommen. Also sind wir in die Staaten gezogen und dort drei Jahre geblieben – und dann immer wieder umgezogen. Insgesamt ist meine Familie in 25 Jahren zwölf Mal umgezogen, davon sechs Mal von Washington D.C. nach Deutschland und zurück. Ich habe drei erwachsene Söhne und mich in ihre Schulen eingebracht – ich habe größere Spendenaktionen organisiert, den Schulladen in Berlin geführt usw. Das sind alles Dinge, auf die mich mein Studium gut vorbereitet hat: Buchhaltung, Budgetierung, logisches Denken und die ausgeprägten organisatorischen Fähigkeiten, die ich für die Erziehung der Kinder, die Arbeit für ihre Schulen und die Koordinierung der Umzüge über den Atlantik brauchte.

Richtig, du warst einige Jahre damit beschäftigt, eine Familie großzuziehen. Ich kann mir vorstellen, dass vor allem diese Fähigkeiten dir dabei geholfen haben, dich wieder im Arbeitsleben zurechtzufinden und an ein neues Berufsumfeld zu gewöhnen. Du arbeitest im Moment bei N26 als Complaint Management & Prevention Associate. Kannst du uns ein wenig über deinen Job erzählen?

Ich habe im Kundenservice im deutschen Team angefangen. Nach nur vier Monaten wurde mir angeboten, im deutschen Complaint Management Team auszuhelfen. Das war aufregend, denn schon im Kundenservice fand ich es eine tolle Herausforderung, kompliziertere Anfragen zu bearbeiten. Als ich zum Complaint Management Team  kam, hat es mir sofort gefallen. Zum einen ist das Team sehr nett und zum anderen hatte ich das Gefühl, dass ich mit meinem internationalen Lebensstil sehr gut reinpasste.

Am Anfang musste ich mir viel selbst beibringen. Ich übernahm Eigenverantwortung und habe selbst Prozesse untersucht. Das ist eine weitere Fähigkeit, die ich von der Universität mitgenommen habe. Bei der Bearbeitung komplizierterer Beschwerden, stößt man auf Probleme, die noch keiner vor dir bemerkt hat, oder du entdeckst, dass etwas mit unseren Prozessen nicht stimmt. Die Lösung dieser Art von Beschwerden erfordert häufig eine kollaborative, teamübergreifende Zusammenarbeit. 

Deine Funktion scheint sehr wichtig zu sein, damit alles so läuft, wie es soll.

Ich denke schon. Ich bin wirklich sehr dankbar für meinen Job. Für mich ist die Arbeit  interessant und immer wieder eine Herausforderung. Ich freue mich, Teil dieses Start-ups zu sein, wo wir buchstäblich neue Dinge, Prozesse und Produkte erfinden.

Lass uns noch einmal zurückblicken auf deine Studienzeit. Gab es bestimmte Kurse oder Professoren, die dich beeinflusst haben?

Ich glaube, dass der Kurs, der mich am meisten beeindruckt und auch meine Ansichten über die Funktionsweisen von Politik, sozialem Leben und Wirtschaft geformt hat, der Kurs Wirtschaftspolitik war. Der hat mir geholfen, wirklich zu verstehen, wie die Wirtschaft unser tägliches Leben beeinflusst und wie wichtig ein Ordnungsrahmen, der von der Politik geformt und vorgegeben wird, für das wirtschaftliche Wirken und Zusammenleben ist. Außerdem habe ich sehr viel von  meinem Professor, für den ich anderthalb Jahre als Assistentin gearbeitet habe, gelernt. Für eine Bachelor-Studentin, die mit Doktoranden zusammenarbeiten und für diese forschen kann, war das eine super Erfahrung.

Was würdest du jetzigen Studierenden als Rat mitgeben?

Achtet darauf, mehr als eine Sprache zu sprechen. Studiert ein Fach, an dem ihr Interesse habt aber auch eines, in dem ihr später eine Stelle findet. Fangt rechtzeitig und diszipliniert an, euch auf Klausuren vorzubereiten! Seid kooperativ und respektvoll, wenn ihr Feedback gebt oder bekommt. Vielleicht solltet ihr auch darüber nachdenken, einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften zu machen – das ist ein Bereich, der euch wirklich auf viele Karrieremöglichkeiten vorbereitet. Denkt auch daran, in euch zu ruhen. 

Ah, und lernt Programmieren, insbesondere Datenwissenschaften. Das ist wirklich hilfreich in Unternehmen wie N26. Es wäre, ehrlich gesagt, echt toll, wenn es in diesem Bereich mehr Frauen gäbe. Obwohl ich schon sagen muss, dass wir bei N26, meiner Meinung nach, jede Menge kompetente und talentierte junge Frauen haben. Eine Sache, die mir besonders an meiner Funktion gefällt, ist, dass ich die Möglichkeit habe, diese Frauen zu unterstützen, wenn sie in unserem Team anfangen. Das ist für mich enorm wichtig.

Von N26

Die mobile Bank

Ähnliche Artikel

Entdecke ähnliche Artikel aus unserem Blog, die dich vielleicht interessieren könnten
Alumni: Daria Milashenko.

Team Spotlight: Daria Milashenko, Executive Assistant des CBO

Als Daria Milashenko, Executive Assistant des CBO bei N26, mit 15 Jahren zum ersten Mal nach Berlin kam, war es Liebe auf den ersten Blick.

Team Spotlight: COO & CFO Jan Kemper.

COO & CFO Jan Kemper spricht über seine vielen Projekte und darüber, was er an N26 am meisten mag

Team Spotlight: Jan Kemper liebte die Uni – so sehr, dass er praktisch nie gegangen ist! Erfahre, wie er die Balance zwischen seinen Rollen als Führungskraft, Assistenzprofessor und Gründer findet.

Team spotlight: Stephan Schulz.

Strategy and Ops Associate Stephan Schulz erzählt, wie sein Studium sein Leben beeinflusst hat

Unser DACH Strategy and Operations Associate erzählt uns von den Kursen seines Studiums, die ihn geprägt haben, und erklärt, warum es so wichtig ist, Beziehungen aufzubauen und neugierig zu bleiben.