Eine Frau hält Blumen über ihrem Kopf.

In deinen 30ern wieder bei 0 € anfangen

Es ist nie zu spät, auf eine solide finanzielle Zukunft hinzuarbeiten. Hier beschreibt eine unserer Autorinnen, wie sie in ihren frühen 30ern wieder auf die Beine kam.

Lesezeit: 6 Min.

Als ich 30 wurde, war ich finanziell am Ende. Ich hatte so gut wie nichts auf meinem Konto, keine finanzielle Absicherung, keine nennenswerte Rente und ein immer weiter wachsendes Studiendarlehen. Aber im Vergleich zu vieler meiner Altersgenossen war meine Situation nichts Besonderes. In meinen 20ern lebte ich von einer Gehaltszahlung zur nächsten und dachte überhaupt nicht über meine Finanzen nach oder wie ich diese verwalten sollte. Im Grunde war mein Konto ein riesiges Sieb, durch das mein Geld jeden Monat sickerte und ich hatte keine Ahnung, was damit geschah.

Dann kam die Pandemie. Meine finanzielle Lage, die ohnehin schon angespannt war, stürzte in ungeahnte Tiefen und ich musste nun etwas ändern. Drei Jahre später konnte ich mich aus dem harten Griff der Geldsorgen lösen, der mich in meinen 20ern umklammerte. Heute kann ich meinen Kontostand überprüfen (sogar mehrmals die Woche!) ohne in eine Existenzkrise zu stürzen und endlich habe ich die Kontrolle über meine Finanzen. Hier erzähle ich, wie ich meine Beziehung zum Geld geändert habe und in meinen frühen 30ern bei 0 € mit dem Aufbau einer soliden finanziellen Zukunft begann.

Meine 20er waren lustig – aber ein finanzielles Desaster 

Ich gehöre nicht zu diesen Menschen, die eine klare Bestimmung in ihrem Leben haben. Als viele meiner Freunde in den 20ern immer weiter die vorhersehbare Karriereleiter hinaufkletterten, sprang ich als Neueinsteigerin von einem Job zum anderen. Ich liebe die Abwechslung und war nicht besonders auf Geld aus, also sagte mir dieser Lebensstil in vielerlei Hinsicht zu. Aber als meine Altersgenossen die klassischen Meilensteine erreichten, beispielsweise den Kauf vom Eigenheim, während ich schon wieder einen Monat von Tiefkühlpommes lebte, drängte sich mir die Frage auf, ob ich etwas „falsch“ machte.

Immer im Jetzt leben

An meinem Lebensstil war eigentlich nichts auszusetzen, aber wie ich mein Geld verwaltete, war alles andere als ideal. Zurückblickend kann ich sagen, dass es für mich das größte Problem war, dass ich mir selbst meine Zukunft nicht vorstellen konnte. Ich lebte in einem ständigen Zustand des „Jetzt“. Auch wenn dies wie ein Traum der Achtsamkeit klingt, war es finanziell doch ein Albtraum. Wenn mein Gehalt einging, verpuffte sofort mehr als die Hälfte davon für meine Lebenshaltungskosten und den Rest gab ich für das aus, was ich gerade brauchte. Ich hatte keine Ahnung, wo mein Geld blieb. Anstatt meine Finanzen zu kontrollieren, wurde ich von ihnen kontrolliert und so wurde der Blick auf meinen Kontostand zu einer angsteinflößenden Angelegenheit.

Am Ende jeden Monats pendelte sich mein Kontostand garantiert um die 0 € ein und ich wurde immer mehr von einem Gefühl des Grauens erfasst. Der einzige Trost, der dieses Gefühl für einen Moment lindern konnte, war der Tag meiner nächsten Gehaltszahlung. Heute erkenne ich, dass dieses Gefühl des Grauens womöglich ein Hilfeschrei aus meiner eigenen Zukunft war. So wie es um mich stand, war mein zukünftiges Ich finanziell überhaupt nicht auf einen Notfall vorbereitet, nicht fähig, Schulden abzuzahlen, ohne finanziell erfüllende Ziele und im Alter hätte ich mich höchstwahrscheinlich allein durchschlagen müssen. Ganz ehrlich, mein zukünftiges Ich war in ziemlich schlechter Verfassung. 

Finanziell am Boden

Kurz nachdem ich 30 wurde, kam COVID-19. Wie Millionen anderer auch, lebte ich plötzlich im Lockdown. Zu dieser Zeit war ich selbständig, gefangen im Auf und Ab des nicht planbaren Einkommens und hasste es ironischerweise weiterhin wie die Pest, meinen Kontostand zu prüfen. Innerhalb eines Monats hatte ich all meine Kunden verloren und damit mein gesamtes Einkommen. Für jemanden, der nur 20 € auf dem Konto als Notgroschen für schlechte Zeiten hatte, war das ein echtes finanzielles Desaster. 

Im nächsten halben Jahr lebte ich von staatlicher Unterstützung, Darlehen von ein paar hilfsbereiten Freunden und einem nicht endend wollenden Adrenalinschub, der mich antrieb, mich verzweifelt auf jeden Job zu bewerben, den ich finden konnte. Glücklicherweise ergatterte ich einen Remote-Job in Vollzeit bei einem Startup mit einem festen, regelmäßigem Gehalt. Als das erste Gehalt auf meinen Konto einging, war ich so erleichtert, dass mir absolut klar wurde, dass ich folgendes nicht mehr länger ertrage:

  1. Ein Leben in Angst um meine Finanzlage
  2. Die Bedürfnisse und Ziele meiner eigenen Zukunft zu ignorieren
  3. Zu leugnen, dass ich das letzte Jahrzehnt aufgrund meiner Finanzlage permanent in Sorge gelebt hatte 

Von vorne anfangen 

Nachdem ich mich gerade so aus meiner persönlichen Finanzkrise gerettet hatte, war meine oberste Priorität, meinen Freunden ihr Geld zurückzuzahlen, das sie mir so großzügig in diesen schwierigen Monaten geliehen hatten. Als ich mein erstes Gehalt erhielt, überschlug ich, wie viel ich benötigte, um alle meine lebensnotwendigen Kosten (z. B. Miete, Rechnungen, Lebensmittel) abzudecken und rechnete aus, wie viel ich jeden Monat bequem zur Seite legen konnte. Mir was es damals nicht bewusst, aber ich hatte somit meinen ersten Sparplan erstellt

Auch wenn das so einfach klingt, aber eine grobe Vorstellung von meinen monatlichen Ausgaben zu bekommen, war für mich wie eine Offenbarung. Zum ersten Mal erhielt ich einen Einblick in meine Finanzen und begann sie zu verstehen. Danach stellte ich einige meiner eher unvorhersehbaren Ausgabegewohnheiten in Frage und nahm einige Änderungen vor, damit ich jeden Monat mehr sparen konnte. Dies war die Kehrtwende, denn obwohl ich meinen Freunden noch viel Geld schuldete, hatte ich nun das Gefühl, dass ich mein Geld kontrolliere und nicht umgekehrt.

Der finanzielle Schneeballeffekt

Sobald ich das Gefühl hatte, meine Finanzen im Griff zu haben, fiel es mir viel leichter, Geld als nützliches Mittel und nicht als einen toxischen, unzuverlässigen Freund zu betrachten. Nachdem ich eine regelmäßige Spartaktik eingeführt hatte, wobei ich meinen Freunden langsam ihr Geld zurückzahlte, dachte ich ernsthafter über die finanziellen Bedürfnisse meines zukünftigen Ichs nach. Es ist nicht weiter überraschend, dass eine Notreserve ganz oben auf meiner Liste stand. Monat für Monat legte ich etwas Geld als Notreserve an, bis ich mein Ziel erreicht hatte und sodann feststellte, dass ich mich befreit fühlte, weil ich nun besser für die Zukunft gerüstet war. Erst als ich ein Sparpolster geschaffen hatte, verstand ich allmählich, welches Gefühl der Sicherheit entstehen kann, wenn man etwas Geld auf der Seite hat.

Ab diesem Zeitpunkt schienen nun auch größere Finanzziele wie die Rückzahlung meines Studiendarlehens und eine Altersvorsorge, die früher unerreichbar schienen, in greifbare Nähe zu rücken. Meine Antwort auf die Frage, wie ich von 0 € zu einem Gefühl der finanziellen Sicherheit gelangte, besteht aus drei Teilen:

  • Dadurch, dass ich mich informiert hatte, war ich meinem Konto nicht länger ausgeliefert, sondern hatte meine Finanzen im Griff.
  • Mein neu entdecktes Gefühl der Selbstbestimmung konnte ich nutzen, um neue finanzielle Gewohnheiten zu entwickeln.
  • Dabei merkte ich, wie mir diese Gewohnheiten ein Gefühl der finanziellen Sicherheit gaben – etwas, das ich vorher nie gekannt hatte. 

Aus dieser Sicherheit heraus war ich bereit, größere finanzielle Ziele in Angriff zu nehmen, die ich bis dato vermieden hatte. Das Geld hatte sich von der Ursache vieler Ängste in einen Weg zu einem ruhigeren und zielgerichteten Leben verwandelt. Nachdem ich meine Grundbedürfnisse gedeckt hatte, konnte ich mein Geld allmählich in aufregendere Ziele wie Urlaub, tolle Erlebnisse und Ausrüstung für neue Hobbys stecken, womit das Sparen noch einfacher wurde!


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Von Ellen Bowden

N26 Contributing Writer

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