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Warum der Traum vom Eigenheim für viele unerreichbar ist

Einst ein Meilenstein im Erwachsenenleben, sind heute viele junge Menschen vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen – oder möchten ihn lieber ganz vermeiden.

Lesezeit: 5 Min.

Ein Eigenheim zu kaufen war früher ein wichtiger Meilenstein im Erwachsenenleben und fest zwischen der Hochzeit und dem Kinderkriegen verankert. Doch veränderte Einstellungen und eine sich wandelnde Wirtschaftslandschaft haben den Weg zum Eigenheim erschwert. Angesichts explodierender Immobilienpreise, stagnierender Gehälter, steigender Inflation und der Krise bei den Lebenshaltungskosten, ist es kein Wunder, dass junge Menschen im Vergleich zu ihren Eltern in bis zu 30 % weniger Fällen ein Eigenheim besitzen werden.

Trotzdem mag es gar nicht so schlecht sein, keinen Fuß in den Immobilienmarkt zu bekommen, wie es manchmal dargestellt wird. Mieten, anstatt zu kaufen, mag für einige eine vernünftige Entscheidung sein. Außerdem finden Mieter andere Möglichkeiten, außer Eigentümer zu werden, um sich finanziell abzusichern. 

Eigenheime heute — ein Überblick

Der Anteil der Menschen, die ein Eigenheim besitzen, ist in den vergangenen sechs Jahrzehnten stetig gesunken. 47,9 % der jungen Erwachsenen haben heute ein Eigenheim, im Vergleich zu 77,8 % in den 60er Jahren. Im Ergebnis ist die Wahrscheinlichkeit, dass die heute zwischen Mitte 30- und Mitte 40-Jährigen Miete zahlen drei Mal höher als vor 20 Jahren. 

Für dieses Ungleichgewicht gibt es mehrere Gründe. Die in den 60ern Geborenen betraten den Immobilienmarkt, als die Preise konjunkturbedingt niedrig und die Löhne relativ hoch waren. Diejenigen, die dagegen in den 80ern geboren wurden, erlebten das genaue Gegenteil. Die jüngeren Generationen bewegen sich heute nicht nur auf einem teuren Immobilienmarkt, sie wuchsen auch im Schatten der Weltwirtschaftskrise auf. Mit ähnlichen Nachteilen könnten sich diejenigen konfrontiert sehen, die während der COVID-19-Pandemie ein Studium begannen oder den Arbeitsmarkt betraten, wenn sie später versuchen, auf dem Immobilienmarkt Fuß zu fassen.

Warum ein Heim zu kaufen für viele ein Wunschtraum bleibt

Während 74 % der Amerikaner den Kauf eines Eigenheims als einen der wichtigsten Meilensteine sehen, um den „American Dream“ zu verwirklichen, geben fast 75 % der Jüngeren an, dass sie sich kein Eigenheim leisten können – das größte Hindernis auf dem Weg zum Eigentum. Auch73 % der Briten geben an, dass sie Wohneigentum als wesentlichen Bestandteil für ein erfülltes Leben sehen, aber laut Schätzungen werden 33 % der jungen Briten diesen Traum nie verwirklichen. Ebenso sagen 66 % der Belgier zwischen 21 und 35 Jahren, die kein Eigenheim besitzen, dass es in der aktuellen Situation unmöglich ist, eine Immobilie zu kaufen und 10 % sind sogar der Meinung, dass dies nie realistisch für sie sein wird. 

Der durchschnittliche Preis für ein Eigenheim ist seit den 60ern im Verhältnis zum Mitteleinkommen immer weiter gestiegen. Die Ungleichheit zwischen Gehältern und Immobilienpreisen führt dazu, dass junge Menschen wesentlich später den Immobilienmarkt betreten — und vielen gelingt dies überhaupt nicht. Aufgrund der stagnierenden Löhne und der langfristigen Auswirkungen der Finanzkrise von 2008, haben die jungen Menschen heute im Schnitt 35 % weniger Vermögen als die Generationen vor ihnen. Nehmen wir noch die steigenden Inflationsraten hinzu — sowie den Trend, in begehrten und teureren urbanen Gebieten zu leben — wird einem klar, dass viele Hindernisse Jüngere vom Kauf eines Eigenheims abhalten.

Der Traum eines Eigenheims hängt vom Kulturkreis ab 

Ein wichtiger Faktor, der bei der Diskussion über das eigene Heim berücksichtigt werden sollte, ist, dass der Kulturkreis den Traum vom Wohneigentum bestimmt. Die Länder mit dem prozentual höchsten Wohneigentum weltweit sind Rumänien (95 %), Ungarn (92 %), Kroatien (91 %) und Litauen (89 %). Das liegt daran, dass dies alles Länder des früheren Ostblocks sind, in denen Häuser Staatseigentum waren, das nach der Auflösung der Sowjetunion entweder billig verkauft oder Mietern kostenlos überlassen wurde

Während es in Portugal, Spanien, Italien und Belgien deutlich mehr Eigentümer als Mieter gibt, übertrifft in Deutschland die Zahl der Mieter (51 %) die der Eigentümer (49 %). Dies kann weitestgehend auf die strengen Mieterschutzgesetze in Deutschland, die Mieter begünstigen, zurückgeführt werden. Vermieter dürfen beispielsweise die Miete ihrer Immobilie nicht mehr als 10 % über die ortsübliche Vergleichsmiete anheben, was das Mieten attraktiver macht.

Die Vorteile der Miete gegenüber dem Kauf

Ein Eigenheim zu kaufen, gibt vielen ein Gefühl der Sicherheit und der Kontrolle über ihre Lebensumstände. Trotzdem entscheiden sich immer mehr Menschen — 34 % laut einer aktuellen britischen Umfrage — bewusst gegen den Kauf eines Eigenheims. Als Hauptgrund dafür geben sie an, dass sie sich nicht an einen Ort binden wollen, gefolgt von den immensen Kosten für eine Anzahlung. Das sind aber nicht die einzigen Gründe, warum es einige attraktiver finden, zu mieten, anstatt zu kaufen.

Weniger finanzielles Risiko

Wie bei jeder anderen Finanzinvestition, bedeutet der Kauf eines Eigenheims auch ein gewisses finanzielles Risiko. Darüber hinaus unterliegt der Immobilienmarkt, genau wie der Aktienmarkt, unvorhersehbaren Schwankungen. Während der Finanzkrise von 2008 fielen die Immobilienpreise um 20 %, sodass viele Eigentümer Hypotheken zurückzahlen mussten, die viel höher waren als der eigentliche Immobilienwert. Solche Krisen wirken sich zwar auch negativ auf die Mietenaus, dennoch sind Mieter in wirtschaftlich unsicheren Zeiten in einer besseren Position als Käufer.

Weniger zusätzliche Kosten

Ein Eigenheim zu kaufen, ist mit vielen zusätzlichen Kosten verbunden: von den Notarkosten und der Grundsteuer über Hausinspektionen bis hin zu Gebühren für Gutachten und verschiedenen Versicherungsverträgen. Dazu kommen noch die Umzugskosten und unter Umständen auch Renovierungsarbeiten – die Kosten steigen also ziemlich schnell. Bei Mietern fallen die meisten dieser Kosten nicht an.

Weniger Verantwortung

Häuser müssen außerdem ständig in Schuss gehalten werden. Mieter können die ganze Verantwortung bei Problemen wie defekter Elektrik, Schimmel oder verstopftem Abfluss an ihre Vermieter abgeben. Hauseigentümer dagegen müssen solche Probleme selbst beheben – und die Kosten dafür tragen. 

Wenn du in ein anderes Land, eine andere Stadt oder auch nur eine andere Gegend ziehen möchtest, musst du außerdem mehr planen und es ist mühsamer, wenn du bereits ein Eigenheim hast. Da Mieter die Flexibilität haben, umzuziehen, können sie leichter neue Chancen ergreifen, wie einen besser bezahlten Job oder ein interessantes kreatives Projekt.


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Von N26

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