Geldwäsche: Wie Banken Geldwäsche verhindern

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Geldwäsche ist ein Mittel, das von Kriminellen – von Drogenhändlern über Terroristen bis hin zu korrupten Politikern – eingesetzt wird, um die Herkunft ihres illegal beschafften Geldes zu verschleiern. Aber wie können Banken Geldwäsche aktiv verhindern?

Banken und andere Finanzinstitutionen versuchen, verdächtige Aktivitäten durch aktive Geldwäschebekämpfung aufzudecken. Dadurch tragen sie dazu bei, dass Geld aus kriminellen Quellen keinen Weg ins offizielle Finanzsystem findet. Wir haben hier Fakten und Infos über Maßnahmen zur Verhinderung krimineller Finanzaktivitäten zusammengetragen – lies weiter, um mehr zu erfahren!

Was genau ist Geldwäsche eigentlich?

Geldwäsche ist ein Prozess, der die Herkunft von illegal erworbenen Geldern verschleiert, um sie legal erscheinen zu lassen. Jedes Jahr werden schätzungsweise 740 Milliarden bis 2 Billionen € gewaschen – das sind ganze 2 bis 5 % der Weltwirtschaft. Allein in der EU werden jedes Jahr 197,2 Milliarden € "gewaschen".

Bevor solche Gelder "gewaschen" werden, stehen sie in direktem Zusammenhang mit dem Verbrechen und können zurückverfolgt werden. Kriminelle müssen das Geld deshalb "waschen", damit es einen legalen Anschein erhält. So kann es investiert werden und das Risiko, erwischt zu werden, ist kleiner. Zusammengefasst ist Geldwäsche also das "Waschen" von schmutzigem Geld, damit es sauber und legal erscheint.

Welche Methoden kommen bei der Geldwäsche zum Einsatz?

Geld wird normalerweise nach einem einfachen dreistufigen Verfahren gewaschen. Der erste Schritt ist die Einspeisung (Placement). Das kriminell erworbene Geld wird zum ersten Mal in das offizielle Finanzsystem eingespeist. Durch Verschleierung (Layering) wird die Herkunft des Geldes mit verschiedenen Buchhaltungstricks verborgen. Und wenn die Herkunft des Geldes erfolgreich verschleiert worden ist, kommt der letzte Schritt – die Integration. Nun kann das Geld abgehoben oder investiert werden.

Die Geldwäschemethoden sind unterschiedlich komplex. Die am häufigsten angewendete Methode ist, das Geld in ein anderes, auf Bargeld basierendes Geschäft einfließen zu lassen. Viele kriminelle Organisationen besitzen mehrere "Tarnorganisationen", von Restaurants bis hin zu Spielkasinos. Legitime Gewinne aus diesen Geschäften vermischen sie dann mit dem illegal erworbenen Geld. Fans von Breaking Bad werden sich daran erinnern, dass Walter White die Autowaschanlage A1A gekauft hatte, um das aus Drogengeschäften gewonnene Geld zu waschen.

Eine andere Methode ist das sogenannte Structuring, bei dem große Geldsummen in kleinere Beträge aufgeteilt und auf mehrere Konten verteilt werden. Die EU-Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche sehen vor, dass Transaktionen ab 10.000 € überprüft werden müssen. Structuring umgeht diese Vorschrift durch Einzahlung kleinerer Beträge, die weniger verdächtig erscheinen.

Weitere Methoden sind:

  • Bargeldumtausch, bei dem schmutziges Geld von Tauschbüros umgetauscht wird. Es kann sein, dass das Tauschbüro nicht weiß, woher das Geld stammt, oder dass die Bartransaktion ein Tarngeschäft ist.

  • Immobilienkäufe ermöglichen es Kriminellen, ihr Geld in Häuser und Geschäftsgrundstücke zu verwandeln, die später verkauft werden können.

  • Auch der Kunstmarkt ist aufgrund der hohen Geheimhaltung und der potenziell wertvollen Objekte ins Visier von Geldwäschern geraten.

Was ist Geldwäschebekämpfung?

1989 wurde das internationale Gremium Financial Action Task Force (FATF) gegründet, um Geldwäsche zu bekämpfen. Die FATF legt den Rahmen für die Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung fest und kontrolliert, ob diese in den verschiedenen Ländern umgesetzt werden. Die einzelnen Länder haben darüber hinaus eigene Aufsichtsbehörden, die von nationalen Aufsichtsbehörden überwacht werden. Auf globaler Ebene ergreifen die UNO, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds eigene Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche.

Die Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung geben Prozesse vor, mit denen verdächtige Aktivitäten aufgedeckt werden können. Je leichter es Kriminellen fällt, illegale Gelder unentdeckt auszugeben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch in Zukunft Straftaten begehen. Die Bestimmungen zur Geldwäschebekämpfung machen auf Warnsignale aufmerksam und sorgen dafür, dass die jeweiligen Institutionen die Aktivitäten ihrer Kunden proaktiv überwachen. Aber was genau sind diese "verpflichteten Einrichtungen"?

Unter verpflichteten Einrichtungen versteht man Institutionen, die mit Finanztransaktionen in Berührung kommen, welche von Geldwäschern ins Visier genommen werden könnten. Dazu gehören Banken, Zahlungsabwickler und der Wett- und Glücksspielmarkt. In der EU legt die Europäische Bankenaufsichtsbehörde Leitlinien und Bestimmungen für die Aufsicht fest. Die für die Bekämpfung der Geldwäsche zuständigen Aufsichtsbehörden überwachen dann jede einzelne Einrichtung, um zu sehen, wie effizient die Geldwäschebekämpfung erfolgt.

Die Institutionen müssen ihre kundenbezogenen Sorgfaltspflichten wahren. Die Geldwäscherichtlinie ist ein EU-Gesetz, das einen Rahmen für Institutionen in ganz Europa vorgibt. Transaktionen zwischen Ländern mit "hohem Risiko" und Transaktionsbeträge ab 10.000 € werden sorgfältig geprüft und überwacht. Verdächtige Aktivitäten werden gemeldet.

So bekämpfen Banken Geldwäsche

Als Fundament des Finanzsystems brauchen die Banken ein wachsames Auge, um verdächtiges Verhalten zu erkennen. Auch die von den Banken ergriffenen Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung unterliegen FATF-Richtlinien. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kundenkontakt werden in der Geldwäschebekämpfung geschult und sind gesetzlich verpflichtet, verdächtige Aktivitäten zu melden.

Viele Banken stellen Teams auf, deren Aufgabe es ist, Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung zu optimieren. Diese Sicherheitsexperten werden auch Compliance-Beauftragte oder AML-Spezialisten genannt. Die Geldwäschebekämpfung im Bankensektor beruht auf drei Säulen: Identitätsprüfung, Haltefrist und Anti-Geldwäsche-Software zur Überwachung von Transaktionen.

Identitätsprüfung

Bestimmte Institutionen (wie z. B. Banken) sind verpflichtet, KYC-Verfahren (Know Your Customer) zu befolgen. Darunter versteht man die Schritte, die Banken zur Identitätsüberprüfung ihrer Kunden durchführen müssen. Obwohl die FATF-Richtlinien den Rahmen vorgeben, sind die einzelnen Banken selbst für ihre eigenen Kunden verantwortlich. So liegt es in ihrer Verantwortung, Transaktionen mit hohem Risiko zu melden.

Was überprüfen die Banken also? KYC-Richtlinien verlangen von den Banken, dass sie den Namen, das Geburtsdatum, die Adresse und gelegentlich zusätzliche Informationen (z. B. Beruf des Kunden) überprüfen. In der Regel verlangen die Banken von den Kunden bei der Eröffnung eines Kontos die Überprüfung ihrer Identität anhand von Ausweisdokumenten. In letzter Zeit verwenden Banken auch biometrische Identifizierungsverfahren, wie Gesichts- oder Stimmerkennung oder Fingerabdruck-Scans.

Haltefrist

Eine weitere Methode zur Verhinderung von Geldwäsche besteht in der sogenannten Haltefrist. Bei diesem Vorgehen müssen Einzahlungen mindestens fünf Handelstage auf einem Konto verbleiben. Diese Haltedauer kann Maßnahmen gegen Geldwäsche unterstützen und lässt mehr Zeit für Risikobewertungen.

Anti-Geldwäsche-Software zur Überwachung von Transaktionen

Viele Banken haben Millionen von Kunden und verwalten Millionen von Transaktionen. Bei einem so hohen Volumen ist es unmöglich, jede einzelne Transaktion manuell zu überwachen – hier kommt die Anti-Geldwäsche-Software zur Überwachung von Transaktionen ins Spiel. Diese Technologie ermöglicht es Banken und anderen Finanzinstituten, Transaktionen täglich in Echtzeit zu überwachen.

Eine solche Software kombiniert verschiedene Informationsquellen, wie z. B. Kontoverlauf, Risikoeinschätzung und Details einzelner Transaktionen, wie die Gesamtsumme des Geldes und die beteiligten Länder. Das gilt gleichermaßen für Bareinzahlungen, Überweisungen und Abhebungen. Wenn eine Transaktion als risikoreich eingestuft wird, wird sie vom System als verdächtige Aktivität gekennzeichnet.

Von N26

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