Deflation sorgt für fallende Preise.

Was ist eine Deflation?

Zentralbanken tun alles, um sie zu verhindern: die Deflation. Aber welche Gefahren birgt sie und welche wirtschaftlichen Folgen kann sie haben? Hier erfährst du es!

Lesezeit: 9 Min.

"Deflation lähmt die Lust zu investieren. Und dann steigt eines Tages die Arbeitslosigkeit so stark, dass der Staat eingreifen muss. Deflation, nein danke! Dann lieber ein bisserl Inflation." Mit diesen Worten beschrieb der Börsen- und Finanzexperte André Kostolany eine Deflation und schloss damit in den gängigen Tenor der Wirtschaftswissenschaft. Doch was ist dran am Schreckgespenst der Deflation? Und was ist Deflation eigentlich? Wir erklären dir alles, was du wissen musst.

Deflation Bedeutung

Bei einer Inflation verliert Geld an Wert, während die Preise steigen – bei einer Deflation passiert genau das Gegenteil. Wenn wir uns in einer Deflation befinden, gewinnt dein Geld an Wert, während ein Preisabfall von Waren und Dienstleistungen zu beobachten ist. Dauert eine Deflation länger an, so zeigen sich schnell Folgen wie eine steigende Arbeitslosenquote, geringere Nachfrage nach Konsumgütern und nachlassende Wirtschaftsaktivitäten. 

Eine Deflation muss allerdings nicht immer gleich die gesamte Wirtschaft betreffen, sondern kann auch nur in einzelnen Bereichen auftreten. Hier spricht man von der sogenannten Teildeflation.

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Arten der Deflation 

Deflation ist allerdings nicht gleich Deflation. Je nach Ursache unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten der Deflation: Geldmengendeflation oder Preisdeflation.

Geldmengendeflation

Wie der Name schon sagt, verringert sich bei einer Geldmengendeflation die Menge an Geld im Wirtschaftskreislauf. Das ist für die Wirtschaft durchaus gefährlich, da sie so schnell an einer Unterversorgung von Geldmitteln leidet. Häufig ist die Ursache für eine Geldmengendeflation auf eine Verringerung der Geldmenge durch die Zentralbanken zurückzuführen. 

Preisdeflation

Sinken die Preise für Güter und Dienstleistungen längerfristig, so handelt es sich um eine Preisdeflation. Diese kommt durch die sogenannte deflatorische Lücke, oder auch Nachfragelücke zustande, bei der die Nachfrage viel geringer ist als das verfügbare Angebot am Markt. VerbraucherInnen oder Unternehmen rechnen mit weiterhin sinkenden Preisen, warten ab, geben ihr Geld nicht aus und die Geldmenge am Markt verringert sich. Das kann nicht nur massive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, sondern auch auf den Staat, denn: Die reale Schuldenlast des Staats bei einer Preisdeflation steigt und die Menge an abzutragenden Schulden ist somit größer.

Ist Deflation gut oder schlecht? 

Eine langsam steigende Deflation ist theoretisch erstmal gut für VerbraucherInnen, da ihr Geld mehr Wert ist und sie sich somit auch mehr davon leisten können. Allerdings führt eine Deflation auf lange Sicht zu einem Überangebot, was für Unternehmen meist einen Produktions- und Absatzrückgang bedeutet, Arbeitsplätze gefährdet und die Deflationsspirale noch stärker anfacht. 

Ursachen einer Deflation 

Die Ursachen einer Deflation können sehr vielfältig sein. Meist werden sie durch politische oder wirtschaftliche Aspekte ausgelöst und durch diese nicht selten sogar beschleunigt.

Generell können die unterschiedlichen Ursachen auf vier Hauptursachen zurückgeführt werden: 

  • wirtschaftliche Aspekte 
  • Lohndeflation 
  • Vermögens- und Kreditinflation
  • politische Aspekte

Zu den wirtschaftlichen Aspekten zählt der Konsum- und Investitionsrückgang. Private Haushalte sparen ihr Geld lieber, als es auszugeben oder zu investieren. Das Angebot am Markt bleibt gleich, die Nachfrage sinkt jedoch und es kann zu einer Absatzkrise kommen. Existenzängste oder negative Zukunftserwartungen können das Sparfuchs-Verhalten von VerbraucherInnen zusätzlich verstärken.

Auch Unternehmen beschleunigen eine Deflation häufig, indem sie durch die gesunkene Nachfrage damit anfangen, Personal- oder Anschaffungskosten neuer Geräte zu vermindern. Sinkt die Nachfrage zu stark, kann es zusätzlich zu Personalentlassungen und Produktionsstopps kommen, die den Effekt der Deflation weiter verschlimmern.

Auch die Lohndeflation hat ihren Ursprung in der sinkenden Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen. Denn bleibt die Nachfrage gering oder geht noch stärker zurück, brauchen Unternehmen weniger Personal und müssen die Lohnkosten senken, um nicht bankrott zu gehen. ArbeitnehmerInnen erhalten weniger Geld und können sich nun weniger leisten, was wiederum zu weiter sinkenden Preisen, verringerten Löhnen und, im schlimmsten Fall, zu einer schnell steigenden Arbeitslosenquote führt.

Steigt im Zuge der Deflation der Geldwert, so kommt es auch zu einer Steigerung der Schuldenmenge bei VerbraucherInnen. Es droht eine Überschuldung, die Banken zu vermeiden versuchen, indem sie weniger Kredite vergeben – und somit die Geldmenge auf dem Markt noch weiter limitieren. Man spricht hier also von einer sogenannten Kreditdeflation. Dies kann einen ohnehin existierenden Deflationsprozess weiter anfachen oder sogar auslösen.

Auch politische Entscheidungen oder Geschehnisse können eine Deflation fördern oder lostreten. Beginnt der Staat, weniger in die Märkte zu investieren und großangelegte Sparmaßnahmen einzuleiten, hat dies direkten Einfluss auf die Nachfrage der VerbraucherInnen. 

Erhöhen Zentralbanken, wie die Europäische Zentralbank (EZB), ihren Leitzins ohne triftigen Grund, kann auch das zu einer Deflation führen. Denn mit einem erhöhten Leitzins werden Kredite teurer und das Geld wird von Unternehmen und VerbraucherInnen nicht in den Markt investiert. Daher erhöht die EZB den Leitzins auch nur im äußersten Notfall, um den Markt so stabil wie möglich zu halten – und eine Deflation zu vermeiden.

Folgen einer Deflation 

Kommt eine Deflation erstmal in Gang, kann sie schlimme Folgen für die Volkswirtschaft haben. Unternehmen stellen keine neuen MitarbeiterInnen mehr ein und müssen aufgrund der immer weiter sinkenden Nachfrage auch bestehende MitarbeiterInnen entlassen. Die Arbeitslosigkeit steigt und führt zu einer noch stärker sinkenden Nachfrage, da VerbraucherInnen nun schlichtweg das Geld für größere Investitionen fehlt. Geringere Einnahmen auf Seiten der Unternehmen und VerbraucherInnen führen gleichzeitig dazu, dass der Staat weniger Steuern einnehmen und somit seine eigenen steigenden Schulden nicht mehr tilgen kann. Werden zu diesem Zeitpunkt keine Gegenmaßnahmen eingeleitet, kann sich aus der Deflation eine Depression, also eine Wirtschaftskrise, entwickeln.

Gegenmaßnahmen bei Deflation

Seit vielen Jahren verfolgt die EZB eine Niedrigzinspolitik, um einer Deflation entgegenzuwirken. Der niedrige Leitzins sorgt für günstige Kredite und hält die Nachfrage nach diesen aufrecht. Weitere Maßnahmen wären beispielsweise Bauprojekte, die Arbeitsplätze schaffen und somit den Konsum von Waren und Dienstleistungen durch verstärkte Kaufkraft ankurbeln. Durch den Staat erlassene Steuersenkungen können die Steuerlast der VerbraucherInnen während einer Deflation mindern und tragen somit auch zu einer gesteigerten Kaufkraft bei. Eine weitere Gegenmaßnahme wäre die Devisenkontrolle, bei der der Staat dafür sorgt, dass Fremdwährungen (Devisen) gegen die eigene Währung getauscht werden müssen. So vermehrt sich die sich im Umlauf befindende Geldmenge, was eine Deflation abschwächt.

Inflation, Deflation, Stagflation: So hängen sie zusammen 

Je nachdem, wie sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln wird, bleibt es wahrscheinlich bei einer leicht steigenden Inflationsrate. Gelingt es den Zentralbanken und Ländern nicht, effektive Maßnahmen zu ergreifen, kommt es womöglich zu einer Stagflation (stark verlangsamtes Wirtschaftswachstum) oder im allerschlimmsten Fall zu einer Hyperinflation. Funktionieren die vorgenommenen Maßnahmen gegen eine weiter rasant steigende Inflationsrate, so ist mit einem langsamen Rückgang der Inflation zu rechnen. 

Sollte die Inflationsrate durch zu extreme Maßnahmen so weit sinken, dass sie unter 0 % fällt, würde die Wirtschaft in eine Deflation rutschen. Da die EZB mit ihrer Niedrigzinspolitik aber genau das verhindern will, ist dies eher unwahrscheinlich.

Inflation und Deflation: Wie sie sich unterscheiden 

Bei Inflation und Deflation handelt es sich sozusagen um zwei Seiten derselben Münze. Während bei der Inflation das Geld an Wert verliert und die Preise immer weiter steigen, fallen die Preise von Waren und Dienstleistungen bei einer Deflation und der Wert des Geldes wächst. 

Aus einer Inflation kann sich schnell eine Hyperinflation, also eine rasend schnell fortschreitende Geldentwertung entwickeln, bei der ein Laib Brot statt 2 € plötzlich 200 € kostet. 

Aus einer Deflation mit einem nicht endenden wirtschaftlichen Abschwung kann sich eine Rezession, und daraus wiederum eine Depression entwickeln. Die Depression ist der Tiefpunkt eines durch eine Deflation angestoßenen wirtschaftlichen Abschwungs.

Warum ist Deflation schlimmer als Inflation?

Nun stellt sich nur die Frage: Was ist schlimmer – Inflation oder Deflation? Eine Deflation mag durch die sinkenden Preise für VerbraucherInnen zunächst attraktiver erscheinen, kann sich allerdings zu einer Deflationsspirale entwickeln, die der Wirtschaft langfristig massiv schaden kann. Durch sinkende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen sinken auch die Preise, Unternehmen und VerbraucherInnen warten mit Investitionen und weniger Geld ist im Umlauf. Es entwickelt sich ein Angebotsüberschuss, auf den Firmen mit reduzierter Produktion und Personalentlassungen reagieren, um Kosten zu sparen. Die Arbeitslosigkeit steigt, der Staat nimmt weniger Steuern ein und es wird noch weniger Geld ausgegeben. Somit fällt auch das Wirtschaftswachstum ab und es kommt im schlimmsten Fall zu einer Depression. Und trotz einiger Gegenmaßnahmen, die eingeleitet werden können, lässt sich eine Deflation nicht so leicht aufhalten.

Bei einer Inflation dagegen gilt eine gewisse Inflationsrate pro Jahr sogar als gesund, da sie zeigt, dass es stetiges Wirtschaftswachstum gibt und Nachfrage besteht. Wünschenswert ist daher eher eine gesunde Inflationsrate, sowohl für den Staat, als auch für die Wirtschaft und die Bevölkerung.

Bankbegriffe

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Deflation: Ein Beispiel

Zurzeit ist nicht mit einer Deflation in Österreich zu rechnen. Dennoch gab es in Österreich und anderen Ländern, wie Japan, Phasen der Deflation, an denen die Wirtschaft noch einige Zeit zu knabbern hatte. Hier einmal ein Beispiel, was bei einer Deflation geschieht:

Die Zentralbank bringt 100 € in Umlauf. Ein Erdbeerhof verkauft seine Erdbeeren für 10 € das Kilo. DienstnehmerInnen mit einem Stundenlohn von 20 € können sich so 2 kg Erdbeeren leisten.

Entscheidet sich die Zentralbank jetzt, nur noch 70 € in Umlauf zu bringen, muss auch der Erdbeerhof seine Preise anpassen und bietet das Kilo nun für 7 € an. Bleibt das Lohnniveau der DienstnehmerInnen bei 20 €, so können sie sich fast 3,5 kg Erdbeeren leisten. Während einer voranschreitenden Deflation passen ArbeitgeberInnen allerdings häufig die Löhne an. Somit können sich Konsumenten und Konsumentinnen weniger leisten, die Deflationsspirale wird angefacht und die Preise sinken weiter.

Deflation in Österreich und Deutschland 

Als eine der wohl längsten und schlimmsten Wirtschaftskrisen des 20. Jahrhunderts galt die Deflation in Österreich, die im Jahr 1929 begann. Auslöser dieser Deflation war der Zusammenbruch der New Yorker Börse im Herbst 1929. Der Crash traf ausnahmslos alle Staaten weltweit, und neben den am stärksten betroffenen Ländern Deutschland und USA auch Österreich. Die Wirtschaftskrise dauerte von 1929 bis 1933, wobei das reale BIP in Österreich in diesen vier Jahren um insgesamt 22 % sank. Die Arbeitslosenquote in Österreich schnellte in der Krise von zuvor ca. 10 % auf ganze 23 % hoch. Im Nachbarland Deutschland erreichte sie 1932 mit knapp 6 Millionen Arbeitslosen den Höhepunkt und brachte große Armut und Elend mit sich. Diese Entwicklungen führten zu einer politischen Radikalisierung und zu Resignation in weiten Teilen der Gemeinschaft. Noch heute spricht man vom 25. Oktober 1929 als “Schwarzer Freitag”.

Deflation in Japan

Japan ist ein weiteres anschauliches Beispiel dafür, wie gefährlich eine sich in Gang setzende Deflationsspirale ist. Mitte der 1990er Jahre sanken die Verbraucherpreise schnell. Ein Auslöser dafür waren unter anderem die Aktienmärkte, die in den späten 80er Jahren dafür sorgten, dass der Leitindex Nikkei 225 auf 38.000 Punkte anstieg. Daraus resultierten extrem hohe Immobilien- und Vermögenspreise. Zwischen 1990 und 1992 sank dieser Leitindex dann “plötzlich” auf 16.000 Punkte und führte zu fallenden Geldwerten, was wiederum zu zurückhaltendem Konsum und einer Überproduktion führte. Durch die strenge Geld- und Steuerpolitik der japanischen Regierung wurde die sich in Gang setzende Deflationsspirale zusätzlich angefacht.

Erst seit 2003-2004 gilt die Deflation Japans als teilweise unter Kontrolle und das Land erholt sich nur langsam. Während der Finanzkrise 2008 verschärfte sich die Deflation noch einmal. Japan gilt seither als das am stärksten verschuldete Land der Welt und kämpft noch heute mit den Folgen der Deflation vor knapp 30 Jahren.

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Von N26

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